212
Zur neuesten Äeine-Literatur.
selbe Ansicht aus (S. 31), welche jetzt auch von Ferrn vonEmbden (S. 131) bestätigt und neuen Forschungen gegenübernoch erweitert wird. Bei diesen Forschungen sei es erlaubt,einige Augenblicke zu verweilen.
Schon aus dem „Buch der Lieder" ging unzweideutighervor, daß Feine, nachdem er jahrelang in schmerzlichen Er-innerungen seiner ersten Liebe nachgehangen hatte, durch eineneue, nicht so leidenschaftliche, aber vielleicht noch innigereNeigung gefesselt wurde. Strodtinaun hatte die Frage, werGegenstand dieser zweiten, abermals „glücklosen" Liebe ge-wesen sei, unbeantwortet gelassen; es ist das Verdienst ErnstElsters, dem wir auch die beste kritische Ausgabe der Äeine-schen Werke verdanken, zuerst in Salomon Feines, zweiterTochter Therese — geboren am 17. Dezember 1807 — dieneue Geliebte erkannt zu haben. Während die „JungenLeiden", das „Lyrische Intermezzo", die früheren Gedichte indem Zyklus „Die Feimkehr", sowie in der „Nordsee" sichnoch aus Amalie Feine beziehen, tritt später — etwa seitdem Jahre 1823 — sowohl in der „Äeimkehr", als in der„Nordsee" die neue Ferzenskönigin an die Stelle ihrer „Vor-gängerin im Reich". Elster hat seinen Ansichten zuerst ineiner Ausgabe des „Buches der Lieder"Worte geliehen,ferner in Feines Biographie, vor dem ersten — in der Lie-ferungsausgabe vor dem siebenten — Bande der Werke (S.40, 45, 80), endlich in einem vortrefflichen Aufsatz: „ZuFeines Biographie", in Seufferts „Vierteljahrschrift fürLiteraturgeschichte" 1891, S. 471. Fier zeigt er auch, daßdas bis dahin in vielen Teilen ganz unverstandene „BuchLe Grand", soweit es von .Herzensangelegenheiten des Ver-fassers redet, vornehmlich auf diese zweite Liebe des Dichterssich bezieht. Das Buch erscheint ihm wesentlich als eineFuldigungsschrift für die noch unvergessene, ja, wie Feineglaubte, noch nicht verlorene Geliebte. Wenn darin eine
') Deutsche Literaturdenkmale des achtzehnten Jahrhunderts.Äeilbronn 1887. S. XXVlll. .