Unterbrechungen des Briefwechsels. Mathilde. Zgz
Kerzen, gut wie ein Engel, und ihre Aufführung war wäh-rend den vielen Iahren unseres Zusammenlebens so untadel-haft, daß sie von allen Freunden und Bekannten als einMuster der Sittsamkeit gerühmt wurde." Auch einem Briefean die Mutter, nicht lange vor der furchtbaren Katastropheam 8. März 1842 geschrieben, gibt die Charakteristik Mathil-dens den Kauptinhalt: „Meine Frau führt sich Gottlob sehrgut auf. Sie ist ein kreuzbraves, ehrliches, gutes Geschöpf,ohne Falsch und Böswilligkeit. Leider ist ihr Temperamentsehr ungestüm, ihre Launen nicht gleich, und sie irritirt michmanchmal mehr, als mir heilsam ist. — Ich bin ihr nochimmer mit tiefster Seele zugethan, sie ist noch immer meininnigstes Lebensbedürfniß, — aber das wird doch einmal auf-hören, wie alle menschlichen Empfindungen mit der Zeit auf-hören, und diesem Zeitpunkt sehe ich mit Grauen entgegen.Ich werde alsdann nur die Launenlast empfinden, ohne dieerleichternde Sympathie. Zu andern Stunden quält mich dieAngst vor der Külflosigkeit und Rathlosigkeit meiner Frau imFall ich stürbe; denn sie ist unerfahren und rathlos wie eindreijähriges Kind!" „Kypochondrische Grillen" nennt Keinediese Sorgen; aber wie leicht hätten sie Wahrheit werdenkönnen, hätte nicht die uneigennützige Liebe des Dichters alleGefahren überwunden.
Erst seit dem großen Brande tritt eine regelmäßigeFolge der Briese ein. Die nächstell sind ganz unter deinEindruck des furchtbaren Ereignisses geschrieben. Noch einJahr später, am 23. Mai 1843, heißt es: „Ich kann denBrandschrecken nimmermehr vergessen. Ich vergesse auch nicht,wie groß meine liebe Schwester sich bei dieser Gelegenheitzeigte!" Meistens kommt in den Briefen dieser Zeit nocheine heitere Stimmung zum Ausdruck: herzliche Teilnahme fürFamilienereignisse, Befriedigung in der eigenen Käuslichkeit,Freude an der Arbeit, dazwischen freilich als Llnheil ver-kündendes Vorzeichen schon Klagen über Augenleiden undLähmung der Gesichtsmuskeln. Der Wunsch, seine Frau in