Ein französischer Biograph Ä. Keines.
zur Hand nehmen und dieselben noch gestärkt fühlen, wenner als Quellen zahlreiche deutsche Schriften, darunter aucheinzelne ganz speziellen Inhalts, angeführt findet. Aber wiebald folgt die Enttäuschung I Herr Ducros bezeichnet (S. 35)die Deutschen als „n»s ennemis 6'outre-k^liin" und läßtdiese Gesinnung in einem Maße hervortreten, daß alles, waser vorbringt, dadurch eine Beimischung erhält, die nicht bloßdem deutschen Leser geschmacklos erscheinen muß. And wiewenig wird dafür durch Gründlichkeit oder neue ErgebnisseErsatz geboten!
Herr Ducros nennt sein Buch „Heine und seine Zeit",und gerade für französische Leser müßte es erwünscht sein,von der Amgebung des Dichters, von den Verhältnissen, indenen der politische Schriftsteller sich entwickelte, eine An-schauung zu gewinnen. Man erhält denn auch eine aus-führliche Schilderuug der Stadt Düsseldorf unter französischerHerrschaft und des alten Deutschen Reiches als Gegenbild.Gewiß läßt sich von der einen einzelnes zum Ruhme, vondem anderen manches zum Tadel sagen, aber bei Herrn Ducroserscheint alles in Übertreibung oder Verzerrung. Er findetzu Ende des 18. Jahrhunderts in den Rheinlanden dreiArten kleiner Staaten: reichsritterliche Gebiete, Reichsstädteund geistliche Fürstentümer. Die „Reichsritter — die Stein,Gagern, Dalberg — waren größtenteils Industrieritter"(S. 17); als Beispiel für die Verkommenheit der geistlichenFürstentümer wird „la ville cke LoloZne" — die freie Reichs-stadt — angeführt. Natürlich sind es die französischen Re-volutionsheere, die in dieses zerrüttete Land Freiheit, Auf-klärung und Reichtum bringen und allerorten mit Enthusias-mus empfangen werden. Begreiflich genug, daß auch Heineschon auf dem Lyzeum für die Republik und Napoleon sichbegeistert und seinen Gesinnungen in den „Grenadieren" unddem „Buche Le Grand" Ausdruck gibt; daß er am 27. Ok-tober 1816 an Sethe von dem „homerisch göttlichen, herr-lichen Blücher" schreibt, darf der Leser natürlich nicht erfahren.