Äeines Brief vom 29. Juli 1837. 143
in Kamburg zum Besuche bei meiner Familie. Vor etwa5 Wochen erhielt ich Brief von ihm aus Kamburg, woriner mir schrieb daß er ungefähr 3 Monath dableibe. WennSie ihm daher dorthin baldigst schreiben, trifft ihn IhrBrief. Er steht dort in höchster Gunst bey meinem Oheim,und es wäre möglich, daß Ihr Brief, worin Sie ihm übermich Nachricht geben, zu meinem Keile wirken kann. Siemüssen ihm nemlich die Seele heiß machen, daß er alles auf-bietet, mich mit meinen: Oheim zu versöhnen und mir beidemselben ein Iahrgeld auszuwirken. Den wahren Grund,warum meine Finanzen so schlecht stehen, dürfen Sie freylichnicht merken lassen, aber das Faktum, daß ich in der größtenGeldnoth bin, und die erschütterndsten Folgen daraus zu be-fürchten stehen, müssen Sie so pragmatisch hinstellen, daßdiese Geldnoth, nur durch edles Anglück entstanden, eben zumeinen: Vortheil spricht. In der That, Sie dürfen gestehen,daß ich um alle Früchte meines Fleißes geprellt worden, daßich alles verkauft habe, um meine Schulden zu bezahlen, daßich alle fremde Llnterstützungshülfe abgelehnt, daß ich michvergebens ^an meinen Onkel gewendet (das ist nicht wahr),daß Sie vernommen hätten, wie unbarmherzig mein Oheimmir alle Külfe entzogen (das ist auch nicht wahr) — kurzSie schreiben ihm einen Brief, womit er bei meinem Oheim,welcher empört seyn wird, daß man ihn solcher Lieblosigkeitfälschlich beschuldigt, etwas ausrichten kann. Aber thun Siees umgehend und geben den Brief an Stieglitz, damit dieserihn an meinen Oheim schickt zur Beförderung an Max; dieserwohnt nemlich bey ihm auf dem Lande.
Sie sehen, Ihr Llnterricht hat gefruchtet; wenn aufdiesem Wege keiue Külfe kommt, so Hab ich mein Lateinverloren.
Für Lewald's Theaterrevüe habe ich in Granville eineReihe Briefe, in der Art Ihres Salons, geschrieben, etwa12 Bogen Reisebilderformat. Ich werde dies Jahr noch49 Bogen schreiben. — Wird unser Projekt der Literatur-