Die Kölner Sänger in Paris.
IIS
fanden den Dichter in dem Zimmer der Avenue lViutiZncmNr. 3, das so oft beschrieben wurde, auf einem niedrigen,mit Rehhaut überzogenen Ruhebette. Mit lebhafter Teil-nahme sprach er von seinem lieben alten Freunde und erfreutesich besonders an einer — noch ungedruckten — Kompositionder beiden Grenadiere von Klein, welche die beiden Rheinländernebst andern Melodien ihm vorsangen. Eine Folge dieses Be-suches war, daß einige Tage später auch der Direktor desVereins und einige der vorzüglichsten Mitglieder Zutritt er-hielten. Mit gedämpfter Stimme, damit es den Krankennicht behellige, wurde nun — meistens nach MendelssohnsKompositionen — eine Reihe seiner Lieder vorgetragen, unteranderen „Am fernen Horizonte," „Der Herbstwind rütteltdie Bäume", „Leise zieht durch mein Gemüt", „Auf Flügelndes Gesanges", „In dem Wald bei Mondenscheine" unddas Quartett: „Entflieh mit mir und sei mein Weib".
Heine zeigte sich außerordentlich erfreut, mehrmals erhober sich von seinem Lager und sagte lebhaft-. „Das ist einevortreffliche Auffassung! Besser konnte man meine Gedankennicht wiedergeben." Einen wehmütigen Eindruck machte esaber, daß von allen diesen Kompositionen beinahe keine ein-zige ihm bekannt war. Längere Linterhaltung erlaubte derleidende Zustand nicht, und Heines Frau mahnte leise zumAufbruch. Noch einmal bezeigte der Dichter den scheidendenSängern seinen Dank; kaum vier Monate später, am !7. Fe-bruar 1856, hatte er aufgehört zu leben.
8»