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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
81
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Versuche aus der Knabenzeit.

8!

fünf Oktavseiten zwei ineinander gelegter Quartblätter. DieSchrift gleicht der in den Hamburger Briefen. Die letzteStrophe ist in späterer Zeit, und, ich möchte glauben, nichtvon Heine hinzugeschrieben.

Das Gedicht ist von Interesse, schon als das einzige,das aus dem Knabenalter des Dichters sich erhalten hat.Maximilian Heine teilt zwar in denErinnerungen" (S. 135)vier Verszeilen mit, die sein Bruder am 1. Februar 1813 fürden wiederkehrenden Hochzeitstag der Eltern gedichtet habe.Aber Strodtmann hat den Nachweis geführt, daß dieseZeilen im wesentlichen gar nicht vonHarry Heine", son-dern von Klamer Schmidt, einem Dichter des 18. Jahr-hunderts, herrühren und schon im Göttinger Musenalmanachfür 1777 gedruckt wurden*). Man liest dort:

An Doris zwanzigstem Geburtstage.

O habt ihr über Glück und Anglück noch Gewalt,Ihr Götter, gebt dem Glück auf heute viel Befehle:

Denn Grazie, Verstand und schöne SeeleSind heute Zwanzig alt.

Statt der beiden letzten Zeilen sagt das Hochzeitsgedicht:

Wenn Vater und der Mutter schöne Seele

Äeut feiern ihren schönsten Tag.

Die Entlehnung fremder Verse, die ungeschickte Einschiebung einzelner Worte würde nicht einmal auf dichterischesTalent schließen lassen. Am so mehr kann es überraschen,

ch Strodtmann, Keine's Leben, 2. Aufl. II., S. IV., und KlamerSchmidt's Leben und Werke, Stuttgart !826, I, 478. Sonderbar, daßdieser Klamer Schmidt gleich nach seinem Tode in RousseausRheinischer Flora" wieder erscheint. Schon in der ersten Nummerhält ihm Smets eine Leichenrede; Raßmann veröffentlicht Briefe, dieer im Jahre I81Ü von ihm erhalten hatte, und die Redaktion ver-spricht,durch Raßmanns Vcrmittelung noch manche liebliche Reliquiedes seligen Dichters mitzutheilen." Vielleicht mag in der frühen Ver-bindung Schmidts mit Westfalen und dem Rhein die Veranlassungzum Vorschein kommen, welche dem Knaben Äeine das Gedicht einesdoch nicht eben weit bekannten Autors in die Kände spielte.

Süsser, Seine 6