74 Keine und I. B. Rousseau.
— ich meine nicht den Teufel, sondern im Gegenteil Rous-seau — ist ein guter Kerl, eine Seele voller Seelengüte;hoffe, noch ehe ich sterbe, ihn wiederzusehn und ihm lachendzu zeigen, daß Alles nur ein Spaß ist, sogar die Liebe, dieuns so besonders ernsthafte Gesichter schneiden macht." —Noch deutlicher erkennt man das Verhältnis in den schönenWorten an Simrock vom 30. Dezember: „Keiner fühlt mehrals ich, wie mühsam es ist, etwas Literarisches zu geben,das noch nicht da war, und wie ungenügend es jedem tiesernGeiste sein muß, bloß zum Gefallen des müßigen Hausenszu schreiben. Bei solchem Streben kannst Du Dir wohl vor-stellen, daß ich manchen Anforderungen und Erwartungennicht entsprechen kann. So ist unter andern mein FreundRousseau unwillig geworden, daß ich ihn nicht in seinen poe-tischen Unternehmungen kräftig unterstützt, und er hat mirsogar vor einem halben Jahre förmlich die Kameradschaftaufgekündigt, als ich mich unumwunden über die Hohlheitund Leerheit seines Zeitschristtreibens gegen ihn aussprach.Du magst sagen, was Du willst, er hat wahrhaftig echtesTalent und verdient, schon seines Herzens wegen, ein besseresSchicksal in der Literatur. Aber der Teufel hole sein zweck-loses Treiben. Mich wenigstens will es bedünken, als obes einem tüchtigen Geiste minder unerquicklich wäre, etwasSchlechtes zu tuen, als etwas Nichtiges."
Aber zwischen Heine und Rousseau stellte sich das Ver-hältnis nie wieder her. Rousseau, mehr und mehr einersüßlichen Frömmelei und offiziellen Loyalität verfallend, mußtefich schon deshalb immer weiter von Heine entfernen. Derzweite Jahrgang der „Flora", Nr. 126 vom 12. August,bringt noch ein Heinesches Gedicht: „Erinnerung"*), angeb-
*) Später nur abgedruckt in den „Letzten Gedichten" nach demManuskript in Keines Nachlaß. Varianten: Str. 2, Z. 1: Ich binein kranker Jüngling jetzt st. kranker Mann jetzund. Str. 3, Z. 2:Ich jagte da. Str. 3, Z. 4: Wollt ich entreißen ihrer Kimmelsbahn.Str. 6, Z. 4: hin st. fort. Str. 8, Z. 2: Sie opferte st. Opferte sie.