62 Äeine vor dem Bonner Universitäte-Gericht.
wo er Ende Novembers eintraf. Äber seinen Aufenthalt indieser Stadt geben die Mitteilungen von Varnhagen undCotta nähere Auskunft; von der Beschäftigung mit Shake-speare zeugt ein Ausdruck des folgenden Briefes, welchen ichder Güte des Äerrn Berghauptmann Brassert in Bonn ver-danke. Leider ist die Adresse abgerissen und der Inhalt nichtvon der Art, daß ich angeben könnte, an wen er gerichtet ist.
München, den 19. April 1828.
Entschuldigen Sie, Lieber, wenn ich erst heute Ihrenviel werthen Brief mit einigen Zeilen erwiedere. Erst jetztmeldet sich hier in München ein besseres Wetter und in mireine bessere Gesundheit; — ich wollte Ihnen nicht bei schlechteinWetter und kranker Stimmung schreiben. — Ich danke Ihnenfür Ihre freundlichen Gesinnungen; ich glaube nicht, daß ichsie in so vollem Maaße verdiene.
Aeber die Zeit woran Sie mich in Ihrem Briefe er-innern, habe ich nicht ohne Wehmuth lachen können. DiePralerey der eigenen Jugend, wie ergötzlich klingt sie unsin späterer Zeit! Aber wie traurig ists, daß wir in spätererZeit nicht mehr pralen können! Jetzt wissen wir, was anuns ist; damals ahneten »vir alle möglichen Kräfte undwußten nicht, daß sich nur wenige in uns cutwickeln würden.— Ich muß mich sehr geändert haben; jetzt disputire ichnicht, wenn ich Ansinn höre. Ich bin ein stiller Mann ge-worden; ein todter Merkuzio. — Leben Sie wohl. Ichdenke es wird sich mahl so treffen, daß ich auch ihre per-sönliche Bekanntschaft mache.
In freundlicher ErgebenheitL>. Äeine.