48 Aus Keines Jugendzeit. Keine und Christian Sethe.
von Lucca, „ob endlich die längst beschriebenen 5 Louisd'oran meinen Freund Sethe bezahlt sind. Ich brauche sd. h.verbrauche) jetzt so rasend viel Geld, daß es eine Schandewäre, seinen besten Freunden etwas schuldig zu bleiben."
Briefe Heines an Sethe sind aus diesem und den fol-genden Iahren nicht mehr vorsindlich, vielleicht auch nichtgeschrieben worden. Im späteren Alter erhält sich selten einschriftlicher Verkehr, der nicht in dauernden gemeinsamenInteressen eine Anregung findet, und zwischen dem preußi-schen Beamten und dem in Frankreich weilenden geächtetenDichter wurde der Abstand immer größer. Gleichwohl be-wahrte einer dem andern eine warme Erinnerung. Als Heineim Herbste 1843 nach zwölfjähriger Abwesenheit Deutsch-land wieder besuchte, kam er auf der Reise nach Hamburgin den letzten Tagen des Oktober auch nach Münster. EinenAbend brachte er mit dem Freunde zu, später schickte er nochdas „Wintermärchen", seitdem hat kein äußeres Zeichen dieFreundschaft der Jugend betätigt.
Sethe überlebte den Dichter um ein Jahr, er starb am31. März 1857 als Provinzialsteuerdirektor in Stettins.Mir ist der Eindruck seiner Persönlichkeit, ganz wie er inHeines Briefen erscheint, noch sehr wohl erinnerlich, ins-besondere der eigentümliche Glanz seines Blicks, kalt undmilde zu gleicher Zeit. Die mitgeteilten Briefe verdanke ichseinem Sohne, meinem ältesten Jugendfreunde, dem Stadt-richter Heinrich Sethe in Berlin. Ihm sollen diese Blätterzur Erinnerung an längst vergangene Zeiten gewidmet sein.
*) Strodtman» verwechselt ihn mit einem jüngeren Bruder, wenner (Keines Leben I, 65) bemerkt, Christian Sethe sei in Berlin am17. Januar 1872 als Vorsitzender des Direktoriums der Berlin-Potsdam-Magdeburger-Eisenbahn gestorben. Auch Maximilian Keine(Erinnerungen an K. Keine S. 126) läßt ihn irrig noch im Jahre1869 als höhere» Iustizbeamten in Berlin leben.