X VIII. Von den neueren sächsischen Aesiett. 411
Her Strenge zu wachen pflegte, daß Verzweifelung auch einstmals gegen ihn selbst daSgewöhnliche Werkzeug seiner Scharfe den Strang — zu brauchen beschloß (l).
Die unverhoste Flucht deS Geweiheten wurde als eine übernatürliche Fügung be«trachtet; auch an andern Wundern war kein Mangel. Der Kirchenschatz — die from-me Steuer der Einfalt mancher Jahrhunderte! — lag offen vor den Augen der Raub-dürstigen die ihn suchten, und fle sahn ihn nicht. Mit Blindheit fanden sie sich geschlagen,wie die Manner von Sodom vor Loths Thüre, oder wie das Kriegsvolk des Königs vonSyrien: so sagt wenigstens Angelus derZeitbuchgebarer; aber wenn es für die Namens-grösse jener Verwegenen zu bedauren ist, daß uns nicht irgend ein vortreflicher Dichter ihreThaten besungen hat L so konnten die Ruchlosen sich doch glücklich preisen, daß der inWaffen ungeübte Schutzheilige des Orts die Schmach seines Hohenpriesters nur durch einwenig Uebersichtigkeit, nicht mit tödlichen Pfeilen, wie der weit schießende Gott deS CHrysseö, zu ahnden wußte.
Joachim säumte nicht, die Friedensstörer mit Heereskraft heimzusuchen. Miuk,wttzcns Beste wurde belagert, bestürmt, gleichwol nicht bezwungen. Die kühnen Edelnwagten sich vielmehr heraus, Kriegsvölkcr anzuwerben, um dem furchtbaren Widersacherim freyen Felde zu begegnen. Dieser schickte, sie aufzuheben. Merken Vehmen, seinerDiener einen, mit Haufen von Reutern ab. Man traf bey Dobrichall auf einander,aber Schlicbens eigene Faust fällete den feindlichen Hauptmann: das Gewehr, womit erdenselben durchstach, wird Drepec? genannt, und die Schwacher» entkamen hier dem Ver-derben fast zu eben der Zeit, da Franz von Sickingen, an einen: andern Ende Deutsch,lands, als ein Schlachtopfer der Uebermacht fiel.
Schlicken starb bald darauf, ohne Verzeihung gesucht zu haben. Mnkrvitz Hin-zegen fand endlich rathsam, sich vor Joachim zu demüthigen. Die Aussöhnung erfolgte,und als der Fürst ihn beym Wiedersehn fragte, warum er den Prälaten hätte saugenwollen? erwiederte der Ritter: — um ihn zu entmannen (s). — Also war auch diesesBlutvergießen ohne Zweifel über irgend eine Helme entstanden, und die neuere Aben-
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(l) S. oben S. -57.A) Leuttnger.