Ag6 XV. Von dem bkrkenfeldischen Zweige.
Albrecht versuchte zwar gleiche Weigerung wie sein Vorgänger, er wagte auch sich inderselben mit gewafneter Hand gegen Sigismund zu behaupten, und that hartnäckigen Wi-derstand ; Schwache aber mußte endlich der Ueberlegcnheit nachgeben. Die Folgen wa-ren gleichwol ungünstiger für den Orden als für den Hochmeister. Der königliche Oheimwollte nur die Vertreibung der gehässigen Ritterzunst, nicht den Schaden des Neffen;diesem trug Sigismund Preussen zu einem erblichen Herzogthume an, wenn er derselbenentsagen wollte»
Albrechts geistliche Gelübde stunden im Wege: es war nicht zu hoffen, daß derPapst sie aufhübe; aber Luther zeigte eben damals das Mittel sie zu brechen, und Staats,klugheit ist gewohnt mit gottesdienstlichen Meynungen ihr Spiel zu treiben, Der Neffewurde der Kirche abtrünnig, welcher der Oheim anhieng. Nichtsdestoweniger kamen beydegar bald überein, daß das Hochmeistcrthum mit dem Ordenskleide abgelegt, dessen Ge-biet in Preussen aber das Erbtheil eines Zweiges von eben dem Hause werden sollte, daSvoch darüber herrscht.
Nicht lange darauf folgte der unabhängig gewordene Ordensmeister in Liosiand die,sem verführerischen Beyspiele. Gochard Retler, von einem adelichcn aus Westphalenentsprossenen Geschlechte, wo es noch blüht, trat die von den Russen zn sehr bedrängtelieflandische Besitzungen an Polen ab, um Curland und Semigallen als ein erbliches Her-zogthum zu erhalten, gleichwie Markgraf Albrecht Preussen überkommen hatte. Ret-ters mannliche Nachkommen sind in unserm Zeitalter ausgegangen; aber von der Spinn-seite leben noch manche seiner Absprößlinge in grossen Reichsfürstcnhäusern, ohne daß seinGebiet auf sie gelangt sey; und so kam der deutsche Orden um alle seine nordischen Erobe-rungen.
Noch ehe Markgraf Albrecht aus einem Hochmeister zum Herzoge von Preussengedieh, zeigt sich Dietrich von Slieben als Marschall desselben. Er begleitete ihnschon im Jahr 1Z20 nach Thorn zu einer damals fruchtlosen Unterhandlung mit Sigis-mund (l). Die merkwürdige Uebereinkunft wurde erst fünf Jahre hernach getroffen»
Schlichen
(l) Caspar Schütz preussische Chronik, S. 46z.