Z82 XlV. Von den preussischen Aesien des märkischen Stammes,
Man sieht hieraus, daß er gerechte Sache zu haben glaubte, oder wenigstens es glau?ben machen wollte; in der That zeigte der Erfolg , daß seine Vesorgniß wegen der Ve-stung Allenjrein nicht ohne Grund gewesen, denn kaum hatte er dieselbe den Domherrenzurück gegeben, so schlugen sie sich auf die Gegenseite: und wie zweydeutig seine Treue inAnsehung der Geistlichen hier auch immer scheinen mag, so wurde sie doch sonst gegenRitter bewährt gefunden. Die Geschichte liefert ein herrliches Beyspiel davon»
Wir haben gesehn, was für ansehnliche Länder der Orden gleich Anfangs den Haupt-leuten seiner Söldner verpfänden mußte. Geldmangel zwang denselben noch in eben demJahre, die ihnen milversetzte Neumark dem Churfürsten von Brandenburg gar zu ver-kaufen. Borgen, ohne das Unterpfand gleich auszuliefern, — dieses gefährliche Zufluchts-mittel der kriegenden Machte unserer Zeit, wodurch der gegenwärtige Augenblick das Ei-genthum der Zukunft verzehrt und Zeitgenossen ihre Stärke im Entkräften der Nachkom-men suchen, — war damals noch in keinem solchen Schwange. Während den zwey folgen?den Jahren wurden die alten Rückstände minder abgetragen , als durch neue vermehrt,und die Hauptleute der Schaaren, die sich dem Orden zu dienen verdingt hatten, trugenkein Bedenken, seinem Feinde, dem Könige von Polen, Marienblirg, den bisherigen Sitzdes Hochmeisters, zu verkaufen. Das Palladium der Ritterzunft — ein wunderthäligesBild der heiligen Zungfrauen — wurde dabey eingebüssct. Der Hochmeister selbst, derwährend dem Handel gleichsam ein Gefangener war, entkam mit Mühe. Caspar Schüyaber erzählt, daß sich ein Georg von Schliessen bey solcher mrrühmlichen Gelegenheitvon seinen Spießgesellen getrennt habe (i), und dieser ist kein anderer, als der, wovonwir hier reden.
Im Jahr 1464 sandte ihn der Hochmeister in Geschäften nach Liestand; endlich kamdas i466te Zahr herbey, wo der sonst nicht ungünstige dreyzchnjährige Krieg durch einen«achtheiligen Frieden beendigt werden mußte. —
Seit der für den Orden so ruhmvollen Schlacht bey Com'y hatte sich kein Haupt-treffen zugetragen. Scharmützel mit abwechselndem Glücke, gerathene oder mißlungeneAngriffe auf Oerter, einzelne Abfälle von einem Theile zum andern , allgemeine Verhee-rungen und Raubereyen sind die vornehmsten Bilder, die das wandelbare Gemälde die-ses Streits dem forschenden Auge darstellt. Oft thaten die den Aufrührern verbündete
Polen
(1) Preussisch» Chronik S.