376 XI V. Von den preussischen Aesten des märkischen Stammes,
Solchergestalt schloß jede Rotte da, wo sie herrschend war, die Glieder der andernnach Möglichkeit von hohen Aemtern aus, bis man endlich, als das Gemeinwesen sichschon dem Falle näherte, dahin übereinkam, daß in Preussen nur oberdeutsche Ritter,in Liefland aber blos niederdeutsche zu Gebietigern und Pflegern erhoben werdensollten (r).
Der Orden strebte also wider sich selbst, die pfafheit wider ihn: wider beyde hin-gegen die Landflande, welche ans deutschem Fusse allmälig aus dem begüterten Adel sowohl als aus ummauerten Bürgerschaften erwachsen waren; und ein Körper von so un-vereirbarlichen Bestandtheilen konnte unmöglich eine zweckmassige Bewegung langeertragen»
Es geschah , was früh oder spat in allen frey genannten würklich aber vkelherrischenVersassungen geschieht; man zankte sich, man verdarb einander, wenn man Härte mit ge-flammter Hand und durch gemeinschaftliche Maasregeln auswärtige Feinde abhalten sollen,oder überwältigen können. Manche günstige Gelegenheiten sich zu vergrößern entwisch-ten verabsäumt, mancher sonst leicht abzuwendende Verlust traf hart, weil rechtzeitigeVorkehrungen mangelten. Von Tage zu Tage wurde man einander unerträglicher. End-lich empörten sich im Jahr 14Z4 die Stände Preussens förmlich wider ihre Oberen, undder beßte Theil des Landes schlug sich zu Polen. Der Meister von Liefland, dessen Nach-folger bey andern Gelegenheiten hundert tausend Mann ins Feld zu stellen wußte (z),leistete bey dieser nur schwache Hülfe» Zwar unter dem Vorwande, der gemeinen Sachebeyzustehn, warb er Völker an; als aber das Heer marschfertig war , führte er dasselbewider den Bischof zu Riga (z), indessen daß der Hochmeister alle Mittel erschöpfte, zumBeßten des Ordens das nöthige Geld und eine hinlängliche Kriegsmacht aufzubringen.
Bey dem damaligen Abgange der stehenden Heere gab es seit den entferntesten Zei-ten noch allenthalben solcher Freybeuter Anführer, welche sich mit ihren Rotten bald die-sem
(1) Panli preussische Staatsgeschichte, Band IV. S. Z77»
(2) Schütz preussis. Chrvn Buch VIII»fz) Ebendaselbst, Buch VII»