XII. Von dem abgestorbenen danztger Zweige. 353
Unterricht auf berühmten Schulen oder in fremden Landern zu suchen, war für diedanziger Schliessen sehr gewöhnlich. Solches thaten unter andern ein Daniel, ge-boren im Jahre 1598, gestorben aber 1677 als ältester Kümmerer (1); und nach ihmsein Enkel der eben genannte Daniel Albrecht, dessen auch Zedler im Univerfal-Lexicongedenkt.
Dieser Enkel war 1671 geboren worden, er starb, nachdem er Italien, Frankreichund die Niederlande durchreiset harte, 1701 an den Folgen von einer Wunde, die ernoch als Schullehrling in einem Zweykampfe empfieng (2)» Derselbe ist also der Dritteseines Geschlechts, den während etwan hundert Jahren indem Heiligthume der Musen,das eine Wohnung des Friedens seyn sollte, Werkzeuge des Kriegsgottes ausrieben»
Wie manche Söhne anderer Aeltern trift nicht ein gleiches Schicksal? Wie oft kostethier nicht dem letzten Erben eines grossen Namens oder Vermögens, den vielleichtSchlachten verschont hatten , ein blosser Kinderzank das Leben ? Wie ungleich öfter aberbringt nicht die daselbst herrschende Ausgelassenheit, um Zeit, Gesundheit, Vermögen:oder verkehrt den bestgeartcsten, den bis dahin ängstlich zu allem Guten gebildetenZögling in einen abscheulichen Taugenichts?
Wir berühmen uns dermalen vieler Verbesserungen in den Erziehungsanstalten,mögten gerne, wenn es möglich wäre, selbst den Pöbel gelehrter machen, ohne zu be-herzigen, daß es den gemeinen Bedürfnissen eher an Händen als an Köpfen mangelnkönne. Der Parnassus widerschallt vom Lobe des einen, jauchzt so laut über das amdere, daß die Stimme der Einwürfe gegen letzteres nicht zu hören ist; aber noch sind wirbey dem Anfange der Unterrichtsjahre stehen geblieben, das Ende derselben, welchesgleichwol das ganze Werk krönen sollte, hat uns bisher zu wenig beschäftigt, oderhöchstens ist das Wissenschaftliche, nicht das Sittliche unser Augenmerk gewesen»
Wir
(1) S. Schotgen S. 445. Die Leichenrede, welche ihm der erste Prediger der Marienkirchezu Danzig, Nathanael Dilger hielt, ist noch gedruckt vorhanden»
(2) Schötgen S. 446. und Aedler,
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