Druckschrift 
Nachricht von einigen Häusern des Geschlechts der von Schlieffen oder Schlieben vor Alters Sliwin oder Sliwingen
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6 II. Von der Beschaffenheit des deutschen Adels

menge (i) kamen den andern zu statten. An Muth waren sie sich wohl einander gleich..An Siegen und Niederlagen vielleicht auch; bis endlich Roms Legionen, durch andereUrsachen geschwächt, den Schwärmen ihrer Gegner weichen, und zngebenm ußten, daßdiese sich allenthalben ergossen, gleich einem Strom, der den Damm durchbricht, welcherdie Anwohner lange vor dessen Fluchen beschützt hatte.

Gochen, IVandalcn, Gueven, Vurgundier, Sachsen, Longobarden undFranken errichteten nun, aus den Trümmern des abendländischen Kayscrlhums, neueKönigreiche. Mit ihren Eroberungen verbreiteten sich ihre Sitten, über Italien, Hisspanien, Vrittanien, Gallien. Bald darauf zeigte sich hier allenthalben der Adel, un,ter der nämlichen Gestalt» Seine ehemalige Beschaffenheit in einem lande kan durchNachrichten aus dem andern erläutert werden; und sein ursprünglicher Zustand bey denheutigen Deutschen bedarf dieses Aufklärungsmittels um so viel mehr, da man denselbenunter ihnen häufig zu einer politischen Streitfrage gemacht; eben so oft aber mit Vor-satz in ein falsches licht zu setzen getrachtet hat.

Der frankische Schwärm wurde unter allen der berühmteste in der Geschichte. Unsneuere Deutschen geht er näher an, als kein anderer; folglich ist derselbe, bey einer Un-tersuchung über den ursprünglichen Zustand unsers Adels, der bctrachtungswürdigste.

Tacitus kannte die Franken noch nicht; ihre Benennung wenigstens scheint ihmverborgen geblieben zu seyn. Erst hundert Zahre hernach zeigen sie sich im innerstenvon unserm Vaterlande» Ob als blosse Bundsverwandte, oder ursprüngliche Genosseneines eigenen Gau; ist zweifelhaft. Ihr zuvor unerhörter Name mogte damals mindereinen einzelnen Stamm, als die Unabhängigkeit einer kriegerischen Vereinigung be-zeichnen»

Aus

(l) So groß konnte diese freylich noch nicht seyn, als die nachmalige Bevölkerung des in einblühendes Land verwandelten Waldes ; noch minder stand sie mit der Mmschenzahl deSganzen Reichs der Römer zu vergleichen; aber den nächsten Gränzbcschumern desselbenblieb sie doch sehr überlegen; denn eine stärkere Heereskraft gegen die Wilden zu gebrau-chen, fanden die Römer entweder selten nöthig, oder der sonstigen Bedürfnisse wegen,unmöglich.