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Niederrhein, in Duisburg und Wesel (Bild S. 167,174)! Nur hier konnte Joseph Winck-ler, nicht auf oder unter den dekorativen Rheinbrücken zu Bonn und Köln, seinprachtvolles Brückenlied anstimmen: ,,Zu Staunen, Ehrfurcht bannst du alle Blicke,wie du mit herrlichen Organen dir Kraft saugst aus Leben; über Häfen hier, schlank,ein Naturgebilde, wächst du, Brücke. Und wiegst den Leib in wundervoller Ruh,und deine Stimme raunt wie leises Singen, ein pendelnd, schwindelnd sich im WindeSchwingen; zornig im Sturm, wie klagst, wie donnerst du! Oft spür ich's, wennich in Gigantenhöh verloren über Damm und Dielen geh, so spür ich's, wenn ichunter dir tief fahre: du lebst — leibhaftig, anders als ein Tier, mit Wasser und Wolkenanders auch als wir, Gesetz und Geist, traumhaft und tausend Jahre." — In Düssel-dorf hat man 1925 die Torbauten der Rheinbrücke wieder beseitigt (Bild S. 175 b).Aber das ist doch nur eine halb lösende Korrektur, weil ursprünglich Brückenbogenund Torbauten formal zusammenkomponiert waren. Der Zug der Linien ist heutenoch immer nicht von jener Selbstverständlichkeit derjenigen Brücken, die vonAnfang an ohne Brückenpfeileraufbauten in Stein Ufer und Ufer und Straße undStraße miteinander verbanden. Der Vergleich der mit Torbauten bewehrtenHohcnzollcrnbrückc in Köln mit der jüngeren Hängebrücke aus den Jahren 1913 bis1915, die in so wunderbarer Leichtigkeit von Ufer zu Ufer ihre Bogen spannt gleichschwebenden Girlanden am Horizont, zeigt den Sieg zweckmäßiger und material-gerechter Schönheit über falsche Romantik, die uns beim Eintritt in unser Jahr-hundert noch belastete (Bild S. 176).
Köln.
Oben: Hohenzollernbrücke. Vollendet 1910.— Unten: Hängebrücke. Vollendet 1915.