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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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Eindruck hilft mir kein Hinweis auf Talent und Jugend hinweg. Es handelt sichnicht um alt oder neu; nicht um das Was. Aber um das Wie in seinem tiefstenKerne. Auf diese schwüle Stimmung und burschikose Sprache waren mit technischtrefflicher Arbeit und großem Aufwand ..." Mit so vielem anderen erbten wirauch das von der Kölner Werkbund-Ausstellung, denn Jessens Worte wirken wiegeschrieben für die Raumkunstabteilung der AusstellungDeutsche Kunst 1928"in Düsseldorf. Diese Ausstellungsabteilung hat ein ganz schiefes Bild von denwirklichen Bedürfnissen künstlerischen Gestaltens unserer Zeit gegeben. Bei demSchlafzimmer einer Dame von Welt" konnte man wohl vonschwüler Stimmung"und vonburschikoser Sprache" reden. Von einigen ernsten Sachkünstlern ab-gesehen, war die ganze Veranstaltung ein Hohn auf unsere Wohnungsnot, auf dieSachlichkeit des Werkgedankens und unsere wirkliche Lebensführung nach demKriege. Es war aber auch ein gefährliches Spiel außenpolitisch dem Auslandegegenüber!

Neben diesen Entgleisungen fern allem künstlerischen Ernst auf der KölnerAusstellung, neben den Essener Sachgestaltern und den ansprechenden, anspruchs-losen Backsteinbaumeistern und den Bauten der Behrens und Kreis sahen wirhöchst interessante neue Versuche. Henry van de Veldes Theater lebte eineigen ausdrucksvolles Dasein in seiner Linienführung (Bild s. Kap. XVI). Aber hierkonnte der Meister derexpressiven Kraftlinie" der Jugendstilzeit zeigen, wie allesorganisch und auch durch neue Möglichkeiten neuen Baumaterials begründet war.Walter Gropiusführte sein Fabrikgebäude mit Büroräumen vor, Eisen- und Glas-konstruktion sachlichster Art in den tektonischen Formen (Bild S. 104). Schließ-lich Bruno Tauts Glashaus (Bild s. Kap. XVI).Wirklich klingende Musik indiesem kleinen Juwel", meinte Jessen. Damit berühren wir Gegenwartsfragen. Siewären schon früher gestellt worden, aber der frühzeitig jähe Schluß der Ausstellungund die langen Kriegsjahre hatten das so hochverdiente Unternehmen des DeutschenWerkbundes 1914 in Köln einstweilen nicht zur Auswirkung kommen lassen.

Köln Werkbund-Ausstellung 1914.

Fabrik- und Bürobau. (Vgl. Kapitel XVI.) Architekt Walter Oropius.