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Neue Baukunst in den Rheinlanden : [eine Übersicht unserer baulichen Entwicklung seit der Jahrhundertwende]
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haben, das, was den Menschen erst Mensch sein läßt, Heimstätten, gesund, prak-tisch und billig im Mietzins, das war auch einer hochherzigen Frau Geschenk an dieStadt Essen: eine Million Goldmark als Barkapital, ein Baugelände von 50 Hektar,auf dem nach einheitlichem Plane für 16 000 Menschen Heimstätten mit Markt-platz, Kaufläden, Bäckerei, Metzgerei, Gaststätten, Schulen, Kirchen usw. auch fürNichtWerkangehörige errichtet werden sollten. Um diese neue Stadt legt sich einWald von 50 Hektar, ebenfalls ein Geschenk der Frau Friedrich Alfred Krupp 1 .

Die Aufgabe war für den Baumeister wesentlich anders als beim Altenhof undAlfredshof. Der Altenhof ist die Siedlung für alte Leute, deren Kinder längst er-wachsen sind und für sich wohnen, während die Margaretenhöhe für Familienbestimmt ist. Der Alfredshof mußte in der Randbebauung durch dreigeschossigeReihenhäuser städtebaulich Anschluß an die angrenzende städtische Bauweisesuchen. Die dauernd wachsende Stadt ist mit ihren Bauten nun auch schon dichtan die Margaretenhöhe herangerückt. Aber das Mühlbachtal mit seinem Eisen-bahnkörper legt sich als trennende Schranke zwischen Stadt und das ausgedehnte,stark bewegte und ansteigende Gelände der Margaretenhöhe. Dazu kommt dereinrahmende Wald. Hier konnte also eine Stadt für sich entstehen (Bild S. 75,73).

Eine schwere Steinbrücke, am Eingang eingerahmt von zwei Wartehäuschen,ist die Verbindung zur Stadt über das Mühlbachtal; ein Torhaus, an das sich linksund rechts symmetrisch Wohnbauten anschließen, der Eingang zur Siedlung(Bild S. 73). Davor die Geländehöhenunterschiede ausgleichende Terrassierungenmit breit ausladender Freitreppe. Steil ansteigend dahinter die Straße, sie heißtauch so, dieSteile Straße" (Bild S.76, 77).Um die Straßenbaukosten niedrig zuhalten", wie der Baumeister auseinandersetzt, sollten große Erdbewegungen ver-mieden werden und die Straßenzüge sich dem bewegten Gelände anpassen. Dieelektrische Straßenbahn wird daher rechts um die Siedlung herumgeführt. In derSteile Straße, entlastet vom Fahrverkehr, gewunden und verschieden breit, sowie esdas Gelände eben ergab, konnte der Baumeister die einzelnen Häuser wie in altendörflichen Siedlungen so zueinander gruppieren, daß mit jedem Schritt neue ge-schlossene malerische Bilder entstanden (Bild S. 76, 77). Hier, im ersten Bauab-schnitt, setzte die Kritik ein: zu starker Aufwand an Kraft für das Torhaus undMauerwerk der Terrassierungen usw. auf Kosten der Wohnbauten, bewußtes und allzustarkes Anlehnen an süddeutsche Kleinstadtromantik, die ganz andere klimatische,landschaftliche und menschliche Voraussetzung habe, als das industrielle Ruhrland,vor allem die uns fremde süddeutsche Neigung zum kunstgewerblich Spielerischenin den Dach- und Giebelformen, und diesen Formen zuliebe wieder auf Kosten derRaumausnutzung kostspielige Dachkonstruktionen. Aber das Torhaus und dieTerrassierungen, für die übrigens Frau Friedrich Alfred Krupp und die Stadtver-waltung noch besondere Zuschüsse bewilligten, haben wohl einen Sinn, zumal dieSteile Straße drei Meter höher liegt als der Ausgang der Brücke und die Kosten

1 A. E. Brinckmann,Margarete-Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge. Margaretm-höhe bei Essen." Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt 1913. Die Stiftung hat einKuratorium unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters. Die Hälfte der Mitglieder ernennt FrauFriedrich Alfred Krupp, die andere Hälfte das Stadtverordnetenkollegium.