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aus Erkenntnis gepflegter Sinn für Maßstab ist Kreis ursprünglich nicht eigen.Seine Bauprofile und sein Architekturschmuck sind Ausdruck eigenen Tempera-ments. Er hat auch nicht von Haus aus Olbrichs Sinn für dekorative und farbigeKomposition. Dafür ist er mehr Monumentalgestalter und Massenkomponist. Dasalles sollen aber, um nicht mißverstanden zu werden, durchaus keine Werturteilesein! Ich sah Kreis, wie er 1913 einen vorliegenden Entwurf für die geplante, leiderdurch den Ausbruch des Weltkrieges verhinderte große „Hundert-Jahr-Ausstellung"in Düsseldorf für 1915 mit wenigen Strichen sofort auf einen klangvollen Zusammen-hang aller Bauten brachte. Ich habe ihn früher oft bewundert, wenn ich ihn ineiner Meinungsverschiedenheit wegen eines Bauwerks um seinen Rat fragte und er,ebenfalls nur mit ein paar Strichen, dem Entwurf sofort die richtige Haltung gab!
Das angeborene Temperament des Sichberauschens und gesteigerten Ausdrucksfand Förderung in seinen ersten baukünstlerischen Erfolgen: Der 23jährige Studentgewann den ersten Preis im Wettbewerb um das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.Es war damals nicht ganz unbegründet, zur praktischen Bauerfahrung eines sojungen Menschen für die Ausführung noch nicht das richtige Vertrauen zu haben.Kreis zählte 26 Jahre, als er 1899 erhielt: den ersten, den zweiten und den drittenPreis im Wettbewerb um die Bismarcktürme. Er hat dann ihrer über 60 in deut-schen Landen ausgeführt, in seiner erstaunlichen künstlerischen Beweglichkeitimmer wieder neue ausdrucksvolle Formen erfindend. Wir mögen heute dieser ge-steigerten persönlichen Ausdruckskunst fernstehen. Aber was bedeutete sie damalsnicht gegenüber aller anderen monumentalen Denkmalskunst? Es gibt ein charak-teristisches Bekenntnis des Künstlers aus diesen Jugendjahren: „Das einfacheMajestätische der ungeschmückten Architekturform drängte sich mir für monu-mentale Werke als eine Notwendigkeit auf. Nach schlichtestem Ausdruck, zugleichnach größtem Inhalt strebend, wollte ich eine Architektur schaffen, wie die großenMeister der Musik Symphonien schufen, keine zusammengestellte, schöne undreiche Fassade, sondern einen Hymnus von Kraft und Jugend." Die Assistentenzeitbei Paul Wallot in Dresden, die Mitarbeit an Lichts Rathaus in Leipzig, das Lebenin der Barockstadt Dresden und seine unter diesem Eindruck entstandenen Dres-dener Bauschöpfungen stärkten sein am Genius Bismarck und Wagner berauschtesPathos. Dann kam 1906 auf der berühmten und für die ganze Entwicklung inDeutschland bedeutungsvollen „Dritten Dresdener Kunstgewerbeausstellung"die große Überraschung mit Kreis' „Sächsischem Haus", das entscheidend warfür seine Berufung nach Düsseldorf. Eine solche stimmungsvolle Intimität undkunsthandwerkliche Durchbildung hatte man von Kreis nicht erwartet!
Der Niederrhein mit seinem schwer zu bearbeitenden alten Baumaterial desTrachyts und Tuffs oder der Großflächigkeit des später erst entstandenen Back-steinbaus hat geschichtlich nie eine Barockarchitektur gekannt wie die DresdenerHausteinbauten. Und dennoch war es das Rheinland, das Kreis' Jugendneigungenerst recht aufbrausen ließen, der große deutsche Wettbewerb um das Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück. Die Entscheidung des Preis-gerichtes, das Kreis' Entwurf eines 60 Meter hohen Rundtempels nur durch Ankaufauszeichnete, aber nicht unter die Preisgekrönten stellte, erregte damals stürmische