Widukind von Korvei.
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gehabt haben, denen er das entnahm, was ihm am meisten zusagte undwas er nun in seiner Weise verknüpfte. Allerdings wissen wir nichts da-von, daß etwa am sächsischen Hofe, analog karolingischen Verhältnissen,eine Begünstigung der Hausgeschichtschreibung stattfand, oder daß in einemder sächsischen Klöster Reichsannalistik getrieben wurde. Und doch wardie Bildung auch hier schon so weit fortgeschritten, daß man sich einiger-maßen in der gelehrten Sprache ausdrücken konnte.
Ist es bei dem Fehlen aller sicheren Nachrichten erlaubt, eine Ver-mutung auszusprechen, so dürfte vielleicht Köln, als der Sitz des BischofsBrun, am ersten in Frage kommen, wo das Interesse an zeitgeschicht-licher Darstellung sich unter Umständen am meisten mit dem literarischenKönnen verband. Es ist immerhin möglich, daß von hier aus : ) dem sächsischenMönche eine geschichtliche Darstellung der Gegenwart zugeflossen ist. —Reichsgeschichte oder gar Weltgeschichte zu schreiben hat Widukind nichtbeabsichtigt, er erzählt die Geschichte seiner sächsischen Heimat und ihrerFürsten, und diese Beschränkung auf das Heimische verleiht seiner Dar-stellung einen fast epischen Charakter, der durch die große Lebendigkeitund durch das häufige Verweilen bei Schlachten noch gehoben wird. Hier-durch unterscheidet sich seine Sachsengeschichte vorteilhaft von dem mehrtrockenen Ton der Annalen, mit denen sie aber den Mangel an richtigerAuffassung der Hauptgestalten 2 ) teilt, wie sie auch häufig die tiefere Be-gründung der Tatsachen vermissen läßt. Sie ist ein durchaus volkstüm-liches Werk und hat darin ihren Hauptwert.
Merkwürdig aber ist die Sprache des Werkes. Das gebildete Lateinder Stilmeister des 9. Jahrhunderts war längst verschwunden, und dochlebt es hier in gewisser Weise wieder auf. Nämlich Widukind hat sichfast wie Einhart in die Ausdrucksweise und den Sprachschatz der römi-schen Historiographie eingearbeitet und verschmäht es meist, in der Sprachezu schreiben, in der er wohl seine Heiligenlegenden verfaßt hatte. Aucher ist in einer gewissen Antikisierung der Verhältnisse befangen, die ihmaus der Lektüre von Sallust, Livius und Tacitus gekommen war. 3 ) Mitdieser mühsam erlernten Sprache 4 ) mischen sich häufig Ausdrücke aus derDichtung; dadurch unterscheidet sich seine Form besonders von der Ein-harts. — Die Beschränkung auf sächsische Verhältnisse brachte es aber mitsich, daß Widukinds Werk hauptsächlich nur wieder von sächsischen Hi-storikern benutzt wurde. Abschriften existieren ebenfalls nicht viele.
Zeugnisse. Zum Namen s. die Ausg. von Kehr p. VI. Seine sächsische Abkunftbezeugt das ganze Werk. Mönch in Korvei s. die Vorrede zu Buch 1 (Kehr p. 1, 4) idtimusservulorum Christi martyrum Stephani atqne Viti Corbrius Widukindus; die Zeit des Ein-tritts ins Kloster bestimmt sich durch die Zeit des Folcmar 917—942 und dadurch, daß
J ) Widukind erzählt 1. 31 p. 38, 3 Bru-nonem quem pontificis summi ac ducis magnividimus officium gereutem. Daraus läßt sichwenigstens die Anwesenheit des sächsischenMönches in Köln erschließen.
') Ueber die sonderbare AnschauungWidukinds über das Deutsche Reich s.Hauck3. 315 f., der den Autor in mancher Beziehungetwas hart beurteilt.
3 ) Das wird allerdings einigermaßen da-durch entschuldigt, daß Krieg und Schlachtenbei Widukind die Hauptrolle spielen.
4 ) Zu meinen für Tacitus gegebenenStellen (Neues Archiv 11, 59 ff.) kommt alsweitere, sehr auffällige hinzu die Rede desVolks beim Tode Ottos (3, 76), die mit Tac.Ann. 1, 9 (beim Tode des Augustus) zu ver-gleichen ist.