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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Vierter Abschnitt.

Philologie und Grammatik.

10. Virgilius Maro.

Einer der merkwürdigsten Schriftsteller des beginnenden Mittelaltersist der Grammatiker Virgilius Maro, der im 7. Jahrhundert wohl zuTolosa 1 ) lebte. Auch in Südgallien waren die Germanen längst heimischgeworden, doch scheinen sich hier die römischen Traditionen länger erhaltenzu haben, als sonst im Frankenreiche. Denn wir kennen die literarischenund die Bildungsverhältnisse aus der Zeit Gregors von Tours, und nur durchAnnahme eines durch besondere Verhältnisse geförderten, gewissen Wieder-auflebens der alten wissenschaftlichen Traditionen wird ein solcher Schrift-steller wie Virgilius Maro erklärlich. Wenn wir seinen Angaben trauenkönnen, so hieß sein Großvater Martulis, sein Oheim Somninus (und einBruder 2 ) Sagillius?). Von Lehrern, die ihn in der Grammatik ausbildeten,erwähnt er eine große Zahl, besonders schloß er sich an Aeneas an, dessenAussprüche er stets zu Rate zieht und den er in seinen Schriften nebenCicero vornehmlich benutzt. Rühmend hebt er auch den Reginus Corniliushervor, der ihn und die Brüder Donatus und Don in Rhetorik, Poetik undGrammatik ein Jahr unterrichtet habe. Zehn Jahre sogar will er voneinem Gratianus unterrichtet worden sein und von weiteren Lehrern nennter den von ihm sehr verehrten Galbungus, ferner Sulpita und Istrius.Unter seinen Mitschülern hebt er Don, Donatus und Latomius hervor.Obwohl er sonst von seiner eignen Lehrtätigkeit nicht spricht, erwähnter doch einen Schüler Donatus. Virgil weiß mancherlei von angeblichbedeutsamen Ereignissen zu erzählen, die sich zu seiner Zeit zugetragenhaben sollen und auf Grammatik bezogen. So erzählt er von einer Ver-sammlung von dreißig Grammatikern, der er als Jüngling beigewohnt habeund deren Zweck gewesen sei, die verbi integra expossitio zu erkennen.Ferner erzählt er von dem vierzehntägigen Streite der Grammatiker Gal-bungus und Terrentius. ob ego einen Vokativ besitze, was der letztereverneinte, während Galbungus die Möglichkeit zugab. Ferner berichtet er,daß zwischen Regulus Cappodocus und Sedulus Romanus ein erhitzter Streitüber die Inchoativformen ausgebrochen sei, der fünfzehn Nächte und Tagegedauert habe und bei dem es unter Hinzuziehung von Bewaffneten bei-

M Ozanam, La civilisation chretienne -) Vielleicht auch der Julius Germanus

chez les Francs chap. IX läßt ihn in Tours nach p. 106.14 f. (Huemer).leben.