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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Sechster Abschnitt.

Geschichte und Geographie.

31. Gildas.

Gildas war wahrscheinlich römischer Britanne und wohnte im westlichenEngland. Geboren ist er jedenfalls kurz vor 504, die alte Annahmevom Jahre 516 verdient nach A. de la Borderie a. a. 0. S. 2 keinen Glauben.Verfaßt hat er sein Werk, als er 44 Jahre und einen Monat alt war, jedenfallsvor dem Jahre 547. *) Nach einer Romreise soll er in der Bretagne gebliebenund hier das nach ihm benannte Kloster Gildas-de-Ruis begründet haben.Kurz vor seinem Tode soll er eine Reise nach Irland 2 ) unternommen haben,was von einem irischen Annalisten bestätigt wird, der auch seinen Tod fürdas Jahr 570 gebucht hat. 3 ) Jedenfalls sind seine Lebensumstände höchstunsicher, denn beide Lebensbeschreibungen des Gildas (in I wird c. 34 aufJahr 1008 Bezug genommen) sind, weil spät verfaßt, wertlos. Auch seinName 4 ) ist einzig und begegnet sonst nirgends, er scheint weder lateinischennoch britischen Ursprungs zu sein (s. Zimmer beiMommsen S. 3 n. 2). Gildaswurde jedenfalls früh kanonisiert (s. Mommsen S. 4) und frühzeitig habensich an seine Persönlichkeit Fabeln geheftet. 6 )

Der Titel seines Werkes lautet ,De excidio et conquestu Britanniae'.Die Darstellung zerfällt in zwei Teile; sie ist nicht eigentlich geschicht-lich, sondern wird von dem geistlichen Leitmotiv getragen, daß alle dieLeiden, welche das britische Volk zu ertragen gehabt habe, durch die Lastseiner Sünden verschuldet seien. Der erste Teil hebt mit den römischenZeiten Britanniens an und geht kurz auf die kirchlichen Verhältnisse desLandes ein. Die Loslösung von der römischen Herrschaft hatte die Ein-fälle der Picten und Scoten zur Folge und sie waren der Grund zur Ein-wanderung der Sachsen. Auch die Schlacht am Badonicus mons 6 ) (Bath)habe im Leben der Könige und Priester keine große Umwandlung herbei-

1 ) Siehe Mommsen S.5 und 40,19 ,qui-que quadragesimus quartus ut novi orditurannus mense iam uno emenso qui et meaenativitatis est', d. h. noch zu Lebzeiten desKönigs Mailcun.

2 ) Die Vita I, die allerdings nach Zim-mer (bei Mommsen S. 3) keinen Wert hat,erzählt hiervon. Loofs a. a. O. S. 668 läßtdie Vitae nicht gelten.

3 )' Annal.Cambriae (Mon. hist. Brit. 1,830)a. CXXI (= 444 -f- 121) ,navigatio Gildae in

Hibernia'; a. CXXVI ,Qildas obiit'.

4 ) Der Beiname Sapiens scheint stehendzu sein; er findet sich nicht nur in den Bss.,sondern auch in den Zitaten z. B. bei Alch-vine (s. unten).

5 ) Girald. Cambr. in der descr. Cambriae2, 2 (ed. Dimcock 6, 209).

6 ) Ihre Zeit ist unsicher, obwohl siein den Ann. Cambriae ins Jahr 516 gesetztwird.