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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Dritter Abschnitt.

Philosophie. Naturkunde. Musik.

62. Dhuoda.

Dhuoda war die Tochter des Dadila, eines reichen Herrn aus der Gegendvon Nimes, in dessen Testament sie erwähnt wird. Am 24. Juni 824verheiratete sie sich mit dem Grafen Bernhard von Septimanien, 1 ) dem siezwei Söhne schenkte, Wilhelm, geb. am 29. November 826, und Bernhard,geb. am 22. März 841. Fünf Monate nach der Schlacht von Fontenoy begannsie am 30. November 841 ihren Liber manualis, als sie schon lange zuUzes und getrennt von ihrem ältesten Sohne lebte, dem sie jenes Werkals Geleitbuch fürs Leben schrieb, das sie am 2. Februar 843 beendete. Vonihrem spätem Leben ist nichts bekannt, wahrscheinlich bezieht sich aberauf sie eine Schrift, die die Mönche ßicher und Ratelm über die für dieGräfin Hodane gesungenen Psalmen 2 ) aufzeichneten. Dhuoda ist die erstebekannte Schriftstellerin auf gallofränkischem Boden, die Mutterliebe drückteihr die Feder in die Hand, als ihr Herz sich in tiefster Kümmernis befand.Das Werk beginnt mit einem kurzen Gruße der Mutter an den Sohn. Esfolgt ein längeres Akrostichon, das die Mitte zwischen Prosa und Poesiehält, denn die einzelnen Zeilen sind nach dem Akzent zu lesen, es scheintihnen aber jedes Metrum zu fehlen. Dhuoda wendet sich hier an Gott,bekennt ihm ihre Rechtgläubigkeit und empfiehlt ihm ihren Sohn. Dannfolgen die dreiundsiebzig Kapitel des Werkes selbst. Nach einigen ein-leitenden Abschnitten über die Eigenschaften Gottes legt die Mutter demSohn die Gebete ans Herz, die er morgens und abends und beim Beginnder täglichen Arbeit sprechen solle. Dann unterweist sie ihn darin, wieer sich gegen seinen Vater und gegen seinen Herrn, König Karl den Kahlen,zu verhalten habe. Hierauf erhält Wilhelm Vorschriften über sein Verhaltenim Rate sowie gegenüber den Verwandten des Königs, gegenüber den Großenund den Niedrigen. Besonders empfiehlt ihm die Mutter Ehrerbietung gegendie Priester und fordert ihn zum Festhalten an den christlichen Tugendenund zum Kampf gegen die Laster auf. Ferner erteilt sie ihm Zuspruchfür alle Lebenslagen und legt ihm ans Herz, in der richtigen Weise für

J ) Zu den persönlichen Verhältnissen vgl.Ph. A. Becker, Ztschr. f. rornan. Philologie21, 73 ff.

2 ) Diese Schrift oder vielmehr ihre Ver-anlassung kann aber noch vor die Abfassung

des Handbuches fallen, da Dhuoda sich ihrerwohl im letzten Kapitel ihres Werkes bedienthat. Zu der Schrift vgl. L. Traube, Karol.Dichtungen S. 140 n. 6 und Stevenson, Codices palatini latini 1, 2.