Fünfter Abschnitt.
Dichtung.
16. Verecundus.
Vom Leben des Verecundus ist wenig bekannt. Um 534 wurde erBischof von Junca in der afrikanischen Landschaft Byzacene. Alssolcher beteiligte er sich am Dreikapitelstreit und wurde von Justinian 551nach Konstantinopel vorgeladen, da er sich der vom Kaiser anbefohlenenVerwerfung dreier Kapitel in den Beschlüssen des Konzils von Chalcedonnicht angeschlossen hatte. Seiner Verurteilung entzog er sich durch dieFlucht nach Chalcedon, wo er 552 starb. Isidor nennt ihn gewandt in derErforschung der freien Künste, und seine Erklärungen zu den Cantica derBibel lassen mehrfach seine Kenntnisse in einem gewissen Zweige derLiteratur hervortreten. Diese Schrift verfaßte er noch als Presbyter, des-gleichen wahrscheinlich ein Werk über die Propheten, während er zweikurze Gedichte als Bischof schrieb.
Zeugnisse. Voller Name wohl Vindicius Verecundus nach der Aufschrift in Bobbios. X — XI (B. 32, 229) Vindicii Verecundi pri (= presbyteri) . . . prophetarum, die sich dochwahrscheinlich auf den Afrikaner bezieht. Victor Tonnennensis chron. 551 (Auct. ant. 11. 202)Primasius ac Verecundus concilii Byzaceni episcopi pro fidel causa ad urbem regia») . . .evocantur; 552 p. 203 Verecundus vero ecclesiae Iuncensis episcopus in defensione memora-forum perdurans capütdorum Calchedonae tibi refuyium fecerat in diversorio gloriosae matrisEuphemiae de hac vita mic/ravit ad deurn. Isid. vir. ill. 7 Verecundus Äfricanus episcopusstudiis liberalium Uterarum disertus edidit carmine dacUjlico duos modicos brevesque libellos,quornm primum de resurrectione et iudicio scripsit, alterum vero de poenüentia in quo la-mentabili carmine proprio delicta deplorat. Vgl. Bardenhewer, Patrol. S. 596; Dzialowski,Isidor und Ildefons als Literaturhistoriker S. 13.
Liber in cantica. Die Schrift steht im Leid. Voss. F. 58 s. VIII — IX.
über Verecundi presbyteri in exodi cantico. Wahrscheinlich steht mit dieser
Hs. in Zusammenhang die Aufschrift von Arras s. XII (B. 125, 80) Eucherius. 1 )
Verecundus presbiter in cantico exodi. Älter noch ist die Aufschrift aus
Massay s. XI (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 442 N. 40) Verecundus super
cantica. 2 ) Das Werk besteht aus Erklärungen zu neun alttestamentlichen
Cantica und ist ohne handschriftliche Autorität von seinem ersten und
einzigen Herausgeber Pitra (Spicileg. Solesmense 4, 1—131) in neun Bücher
eingeteilt worden. Der Kommentar bewegt sich im hergebrachten Gleise,
indem die allegorische Betrachtung stark in den Vordergrund tritt. Aus
') So ist jedenfalls zu interpungieren,Becker gibt Eucherius verecundus.
*) Aus Vatic. 3324 p. 111 schon notiertvon Pitra, Spicil. Solesmense 4 p. VII, doch
die von ihm vermutete Identität mit demLeidensis ist nach der Ueberschrift nicht an-zunehmen.