Vierter Abschnitt.
Philologie und Grammatik.
66. Petrus von Pisa.
Petrus, Diakon in Pisa, lehrte wahrscheinlich schon in seiner Heimatdie Grammatik und nahm an öffentlichen Redeübungen teil. Als näm-lich Alchvine vor 767 als Jüngling mit seinem Lehrer Aelbert eine Reisenach Rom machte und sich dabei in Pavia einige Tage aufhielt, hörte ereine Disputation des Juden Lullus mit dem Magister Petrus, die, wie ererfuhr, auch dort schriftlich aufgezeichnet wurde. Vielleicht hat Karl denPetrus nach der Zerstörung der Langobardenherrschaft an seinen Hof mit-genommen, denn Petrus war später, und zwar schon als Greis, der Lehrerder Grammatik in der Hofschule. Mit dem König verband ihn bald einenges Verhältnis und ein gleiches gewann er mit Paulus diaconus undAngilbert. So bediente sich der König seines dichterischen Talents, wenner poetische Briefe an Paulus schrieb, auch wandte sich Karl, wohl mitder Hilfe Alchvines, an ihn in poetischen Ergüssen. Wahrscheinlich hatPetrus aus Dankbarkeit dem Könige seine Grammatik gewidmet, da er inden nachgestellten Versen sagt, daß er dies Werk aus Liebe zu seinemHerrn verfaßt habe. In seiner Grammatik verspricht er an zwei Stellen,in einem späteren Werke ausführlicher auf Besonderheiten der Genera undder Deklination zurückkommen zu wollen. Es ist aber sehr fraglich, ober das ausgeführt hat, denn es ist nur eine grammatische Handschrift be-kannt geworden, die aus Dialogisierungen mehrerer älterer Werke bestehtund von Petrus an Karl geschenkt wurde. Ob dies Geschenk noch amHofe gemacht wurde, ist nicht klar. Jedenfalls hat sich Petrus nach derHeimat zurückbegeben, denn Karl, anscheinend von Angilbert aufgefordert,und Angilbert selbst schrieben wohl bald nach seiner Rückkehr nach Italienje ein Gedicht an ihn. Möglicherweise ist Petrus längere Zeit vor 799gestorben. Die volle Bedeutung des Mannes läßt sich nicht mehr erkennen,aus der Art aber, in der Einhart und Alchvine von ihm sprechen, gehthervor, daß er sich nicht großer Sympathien bei der persönlichen UmgebungKarls erfreut hat.
Zeugnisse. Zur Abkunft und Stellung: Einhart sagt Vita Karoli 25 (Jaffö, Bibl. rer.Germ. 4,531) Artes liberales studiosissime coluit earumque doctores plurimum veneratus magnisafficiebat honoribus. In discenda grammatica Petrum Pisanum diaconem senem 1 ) audivit.
') Vgl. hiermit Carm. 15, 45 (PL. 1, 54) Qui nostram dapibus nutrit reflcitque senectam.