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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Dritter Abschnitt.

Philosophie. Naturwissenschaft.

8. Martinus von Bracara.

Martin von Bracara stammte aus Pannonien und erwarb sich als Möncheine später weitgerühmte Gelehrsamkeit. Seine religiöse Gesinnungveranlagte ihn, eine Pilgerreise nach Palästina zu unternehmen, und Missions-eifer war es wohl, der ihn dann ins Suevenreich zu wandern bewog. Dortgründete er in Gallicien das Kloster Dumio und mit König Theudemirzusammen führte er die arianischen Sueven zur rechtgläubigen katholischenKirche über. Nachdem er in Dumio Bischof geworden war, erhob ihnTheudemir zum Erzbischof von Bracara. Auch unter Theudemirs Nach-folger Miro hatte er eine sehr angesehene Stellung, denn er scheint unaus-gesetzt tätig gewesen zu sein, das suevische Volk durch Beispiel und Lehrezu heben und zu bessern. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß ersich hierzu mehrerer Schriften Senecas bedient hat, die er für seine Zweckesorgsam exzerpierte, und wenn er auch hierbei, im modernen Sinn ge-sprochen, ein Plagiat beging, so hat er sich doch gerade dadurch um dieNachwelt verdient gemacht, denn ohne seine Bearbeitung wäre eine jenerSchriften Senecas ohne Zweifel für uns verloren. Außerdem verfaßte erkirchenrechtliche') und dem Kultus gewidmete Schriften und er gewannjedenfalls eine Bedeutung, die weit über die Grenzen seines neuen Vater-landes hinausging. Denn mit dem gallischen Dichter Fortunat stand erin Briefwechsel, Gregor von Tours äußert sich bei Registrierung seinesTodes höchst anerkennend über ihn und Isidor widmete ihm in seinemSchriftstellerkatalog nicht geringes Lob; auch sonst wird in den Literatur-geschichten des Mittelalters seiner rühmend gedacht. Er starb am 20. Märzwohl im fünften Jahre Childeberts, also 580; seine Grabschrift hatte ersich selbst gedichtet, wie er auch Verse auf die Basilika des von ihmhochverehrten hl. Martinus zu Dumio und solche auf das Refectorium seinesKlosters gedichtet hat.

Zeugnisse. Gregor. Tur. hist. Franc. 5, 37 (p. 229 A.) Hoc tempore (vgl. 5, 34) et b.Martinus Galliciensis episcopus obiit magnum populo Mo faciens planctum. Nam hie Pan-noniae ortus fuit et exinde ad visitanda loca saneta in Oriente properans in tantum se lit-teris imbuit, ut nulli seeundus suis temporibus haberetur. Exinde Gallitiam venit ubi cum

') Monac. 3853 s. X f., 129 b Excarpsum I garensi Martini episcopi Galatiae de diversisde canonibns sententiae tantum ex libro Bra- \ capitulis.