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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Sechster Abschnitt.

Geschichte und Geographie.

110. Willibalds Leben des heiligen Bonifatius.

Der Presbyter Willibald, der wie sein Namensvetter, der Bischof Willi-bald von Eichstätt, angelsächsischer Herkunft war, wurde von Lul,dem Nachfolger des Bonifaz, und vom Bischof Megingoz von Würzburg,der noch vor dem Tode Pippins gestorben zu sein scheint, aufgefordert,das Leben von Bonifaz zu schreiben. Lul hatte selbst kurz nach dem Todeseines Vorgängers eine ähnliche Aufforderung durch den Bischof Milretvon Wigorn erhalten, war ihr aber nicht nachgekommen, sondern betrauteden in Mainz lebenden Willibald mit der Abfassung dieser für das An-denken des großen Kirchenfürsten so wichtigen Schrift. Willibald hatteBonifaz selbst nicht gekannt und daher versahen ihn besonders Lul undMegingoz mit den nötigen Unterlagen, die er sich aber auch von anderenmit Bonifaz befreundeten und vertrauten Männern zu verschaffen wußte.Wahrscheinlich begann er seine Arbeit nicht lange nach dem Tode seinesHelden, denn die schwere und ungefügige Sprache läßt darauf schließen,daß das ausführliche Werk viel Zeit in Anspruch nahm, das doch wohlspätestens 768 abgeschlossen worden ist. Willibald teilte sein Werk inneun Abschnitte von sehr ungleicher Ausdehnung, an deren Spitze er stetseine kurze Inhaltsangabe stellte, während er die meisten mit einem bibli-schen Wort enden ließ. Da einiges Wichtige aus Bonifaz' Leben vonWillibald völlig übergangen ist so wird der Name des Papstes Zachariasnirgends genannt und sich auch einige Unrichtigkeiten finden, 1 ) so hatman angenommen, daß das Leben lückenhaft überliefert sei, ja daß LulZensurstriche darin vorgenommen habe. Es ist das aber kaum berechtigt,vielmehr hat Nürnberger richtig hervorgehoben, daß es sich nicht um eineigentlich historisches, sondern mehr um ein hagiographisches Werk handelt,und W. Levison glaubt, wohl mit Recht, annehmen zu können, daß Willi-bald gegen das Ende seines Werkes sichtlich erlahmt sei. Sicher ist, daßWillibalds Bericht im allgemeinen durchaus glaubhaft ist; freilich geht ervom Standpunkte des Klerikers aus und würdigt daher die Stellung seinesHelden als eines Staatsmannes fast gar nicht, weshalb diese Biographiefür uns heute so lückenhaft und unzureichend erscheint. Daß sie aber vonhervorragenden Männern wie Lul und Megingoz beeinflußt wurde, sieht

') Nämlich chronologische Fehler bei der Annahme des Namens Bonifatius und beimTodesjahr (755 statt 754).