Erster Abschnitt.
Die universalen Schriftsteller.
41. Paulus diaconus.
Paulus stammte aus vornehmer langobardischer Familie, die sich beider Besetzung Italiens in Friaul niedergelassen hatte. Er war späterals 720 geboren, sein Vater hieß Warnefrit, die Mutter Theudelinda. Er-zogen wurde er am Hofe des Königs Ratchis zu Pavia, sein Lehrer in derGrammatik war Flavianus, der aus einer bekannten Gelehrtenfamilie stammteund bei dem er jedenfalls auch Griechisch lernte, das er aber später bisauf ganz geringe Reste vergaß. Später muß er auch zum König Desiderin Beziehung getreten sein, vielleicht wurde er an dessen Hofe Notar.Jedenfalls aber verband ihn mit Desiders Tochter Adelperga ein näheresVerhältnis: schon 763 widmete er dieser Fürstin, der Gemahlin des Her-zogs Arichis von Benevent, 1 ) ein komputistisches Gedicht, in dem er denFrieden und die Ruhe des Reiches pries. Und in dem Briefe, den er alsWidmung seiner Historia Romana wohl vor 774 an sie richtete, nannteer sich den immerwährenden Begünstiger ihrer Studien. Paulus hatte derFürstin den Eutrop gegeben, doch sie hatte sich beklagt, daß dessen Dar-stellung zu kurz sei und nichts aus der christlichen Geschichte bringe.Er setzte daher den Eutrop von den Zeiten des Valens bis auf Justinianfort und brachte auch in Eutrops Test Zusätze nach der gewünschtenRichtung an; und in seinem Briefe versprach er auch eine Fortsetzungbis zur Gegenwart, falls Adelperga sie wünsche. Damals war Paulusschon in den geistlichen Stand eingetreten, für den er anfänglich wohlnicht bestimmt war. Und zwar gehörte er zuerst dem Kloster Civate imMailändischen in der Nähe des Komersees und von Monza an. Dort hater für seine Schüler die Erklärung der Regel des heiligen Benediktaufgezeichnet, dessen Leben und Wunder er auch in einem größerenepanaleptischen Gedichte nach dem zweiten Buch von Gregors I. Dialogendarstellte; diese Erklärung aber ist in der ersten Hälfte des 9. Jahrhundertsvom Presbyter Hildemar von Civate dessen Hörern in der Schule mit wenigAbänderungen diktiert worden. Paulus wechselte später mit dem Klosterund begab sich nach dem Mutterkloster Montecassino im Herzogtum Benevent,wo sein Eintritt vielleicht schon 779 erfolgte. Wahrscheinlich hing diese
') Paulus hat ihm die Grabschrift ge-setzt, Carm. 33 p. 66 (PL. 1). Er rühmt seinehohe Bildung Vs. 11 Qnod logos et phisis mo-
deransquc quod ethica pangit, Omnia condi-derat mentis in arce suae. Der erste Halb-vers von 35 = Apoll. Sidon. Carm. 7, 148.
Handbuch der klass. Altertumswissenschaft. IX, 2. 17