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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
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Fünfter Abschnitt.

Dichtung.

87. Theodulf von Orleans.

Theodulf stammte aus Spanien und war gotischer Abkunft. Aus derHeimat vertrieben kam er ins Frankenreich und erhielt später vonKarl das Bistum Orleans sowie mehrere in der Nähe gelegene Abteien.In seiner Heimat hatte er sich eine hervorragende Bildung angeeignet, wiesich aus seinen Werken ergibt, die eine ungewöhnliche Belesenheit verraten.Daß er verheiratet gewesen war, wurde ihm von Seiten der fränkischenHofgesellschaft schwerlich verübelt, jedenfalls besaß er eine Tochter Gisla.Frühzeitig beschäftigte er sich mit eigner poetischer Produktion, noch alsDiakon gab er vier Bücher Gedichte heraus, die wohl sämtlich über ethisch-christliche Stoffe handelten und von denen nur ein Rest des dritten Buchessowie das vierte erhalten sind. So konnte er schon um das Jahr 780 inden Versen eines Fiducia (?) als göttlicher Dichter bezeichnet werden.Theodulf war als Bischof öfter am Hofe, dessen Mitglieder ihm genau be-kannt sind, wie eines seiner wichtigsten Gedichte bezeugt. Aber er warweder Schüler noch Lehrer in der Hofschule und gehörte aber doch wohlauch zur Akademie; so erhielt er keinen besonderen Beinamen. Obwohler an den König und späteren Kaiser und auch an Ludwig sowie an Karlsgleichnamigen Sohn und an die Königin Liutgard Gedichte gerichtet hat,für Fastrada und Papst Hadrian Grabschriften verfertigte, so sieht mandoch deutlich, daß er Karl durchaus nicht so nahe stand wie Alchvine.Freilich wußte ihn Karl zu schätzen, denn auf seinen Wunsch schriebTheodulf ein Werk über die Taufe und ein anderes über den heiligenGeist, und daß der König dem Exulanten ein Bistum übertrug Theodulfwurde 800 sogar Erzbischof und erhielt von Leo III. das Pallium sprichtdeutlich genug für die geistige Potenz des Spaniers. Auf Alchvines Wunschwurde ihm wie dem Paulin von Aquileja und dem Ricbodo von Trier dieSchrift des Felix von Urgel zur Kenntnisnahme übersandt, ehe manfränkischerseits darauf antwortete. Auch wurde Theodulf im Jahre 800nach Rom geschickt, um dem Gericht über Leo III. beizuwohnen, und alsbald darauf Alchvine das Asylrecht von St. Martin zu Tours gegen ihnin Schutz nahm, entschied Karl, daß der Abt dem Willen des Bischofszu gehorchen habe, eine Differenz, wegen deren Alchvine sich beim Kaiserentschuldigte und um Verzeihung bat. Das will doch die ÜberlegenheitTheodulfs bedeuten und diese tritt uns ebenso in seinen zahlreichen Ge-