Zweiter Abschnitt.
Theologie.
5. Benedikt von Nursia. Marcus von Montecassino.
Vom Leben des berühmten Stifters des ersten und bedeutendsten abend-ländischen Mönchsordens ist nicht vieles sicher bekannt, da dieältesten Aufzeichnungen auf Gregor I. zurückgehen, der zwar im zweitenBuch seiner Dialogi ausschließlich über Benedikt handelt, aber bei seinerVerachtung des literarischen Herkommens gar nicht den Versuch zu einerBiographie gemacht hat, sondern bei seinem Helden fast gänzlich denStandpunkt des Wundertäters hervorkehrte. Nach diesen unsicheren Kach-richten ergibt sich in kurzem etwa folgendes. Benedikt stammte aus an-gesehener Familie und wurde gegen Ende des 5. Jahrb.. in Norcia imumbrischen Apennin geboren. Seine Ausbildung erhielt er in Rom. dochkann sie nicht sehr bedeutend gewesen sein, da er den Ort seiner Studiennoch als Knabe verließ und sich in seiner Regula monachorum weder An-klänge an die alten Autoren irgendwie zahlreich finden, noch auch hierden Mönchen die Beschäftigung mit den Wissenschaften zur Pflicht gemachtwird. So ist auch bei seiner Jugendbildung an die Erlernung des Griechi-schen kaum zu denken. Er verließ die Welt wegen der Sittenlosigkeitseiner Mitschüler und begab sich in eine Höhle am Anio bei Subiaco, woer schließlich zwölf kleine Klöster in der Nähe begründete. Im Jahre 529siedelte er nach Kampanien über und stiftete auf der Anhöhe von MonteCassino ein Kloster, wo er dann wohl bald seine Regel gab. Im Jahr 542kam König Totila zum Kloster, um den Abt persönlich kennen zu lernen.Sein Todesjahr ist unbekannt, gewöhnlich wird der 21. März 543 als Sterbe-tag angenommen. Ein Jahrhundert blieben seine sterblichen Reste inMonte Cassino, dann wurden sie nach Fleury geführt, weshalb die dorterblühende Stiftung später St. Benoit-sur-Loire genannt wurde; sie ist, wieMonte Cassino selbst, in karolingischer Zeit ein Hauptort für wissenschaft-liche Studien geworden.
Zeugnisse. Das 2. Buch der Dialoge Gregors s. bei Migne, Patrol. 66, 126. Dortheißt es c. 1 Fuit vir vitae venerabilis Bencdictus . . . qui liberiori genere ex provincia Nur-siae exortus Romae llberallbus Utterarum studiis traditus fuerat . . . despectis itaque litte-rarum studiis relicta domo rebusque patris . . . recessit ergo scienter nescius et sapienter in-doctus etc. Zur Uebersiedlung nach Kampanien s. Tosti, Storia della badia di Monte Cassino1, 76 f. Zum Erlaß der Mönchsregel s. Zöckler, Prot. Realenzykl. 2,579. Zum BesuchTotilas Dial. 2, 14 p. 160 Gothorum namque temporibus cum rex eorum Totila . . . ad einsmonasterium pergens patdo longius substitit eique se venturum esse nuntiavit. Zum Todes-jahr und -tag s. E. Schmidt in Wetzer und Weites Kirchenlexikon 2, 324. Zur Uebertragung