Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Zweiter Abschnitt.

Theologie.

49. Paulinus von Aquileja.

Paulinus stammte aus Italien und ist wohl vor 750 geboren. Im Jahre 777befand er sich wahrscheinlich am fränkischen Hofe als Lehrer derGrammatik, wo er den Namen Timotheus erhielt. Enge Freundschaft ver-band ihn mit Alchvine, der ihn 778 in einem Gedicht begrüßt, und wohlauch mit Angilbert, der sein Schüler war. Vielleicht ist er bis zu seinerErhebung zum Patriarchen von Aquileja, die 787 erfolgte, am Hofe geblieben.In seiner neuen Stellung ergriff er mehrmals auf den Wunsch Karls undAlchvines das Wort in dem Kampf gegen den spanischen Adoptianismus,der in dem Erzbischof Elipandus von Toledo und dem Bischof Felis vonUrgel seine Führer hatte; im Jahre 800 widmete er Karl mit einem sehrphrasenreichen Briefe seine Schrift gegen Felix, nachdem schon Alchvinemehrere Bücher gegen diesen Bischof veröffentlicht hatte. Er erfreute sichder dauernden Freundschaft Alchvines, mit dem er auch in poetischenBriefwechsel trat und der ihm nach seinem Tode im Jahr 802 auch dieGrabschrift dichtete. Paulinus ist auch sonst mehrfach in Prosa und Poesieals Schriftsteller aufgetreten, aber seine Schriften erschienen doch nur seinereignen Zeit wichtig, sie werden in späteren Jahrhunderten fast nirgendsmehr genannt.

Zeugnisse. Seine Abstammung aus Italien steht fest nach Alcuin. Oarm. 17, 14 (PL. 1,239) 0 laus Ausoniae, patriae decus; dagegen ist wohl richtig, was Giannoni (Paulinus IL,Patriarch von Aquileja, Wien 1896, S. 7) gegen Hauck (K. D. 2, 156 n. 9) erinnert, daßnämlich aus diesen Worten seine Geburt in Aquileja nicht erschlossen werden kann. ZumGeburtsjahr s. G i a n n o n i a. a. 0. S. 7 und n. 4. Die Datierung seiner Ankunft am Hofes. Giannoni S. 813. In einer Urkunde von 776 (Sickel, Acta reg. Karolin. 1, K. 58, vgl.Mühlbacher, Regesten d. Kaiserreichs unt. d. Karol. N. 198. Madrisius, S. Paulini patr.Aquil. opera p. 258 N. II) schenkt Karl dem Paulinus (viro valde venerabili Paulino artisgrammaticae magistro) Landgüter; nach dem Wortlaut der Urkunde dürfte die Auffassungflaucks S. 156 n. 10 zu billigen sein, daß Paulinus sich schon in Karls Dienst bewährthatte. Zum Beinamen s. Ale. ep. 60 (MG. Ep. 4, 103, 22) Optimo Timotheo und n. 2. Be-grüßung durch Alchvine Ale. carm. 4, 47 (PL. 1, 222) Paulini gaudens conplectere colla ma-gistri, Oscula melligeris decies da blanda labellis; zur Datierung des Gedichts s. GiannoniS. 9 ff. Alchvine hat dem Paulin eine ganze Reihe Briefe und Gedichte gesendet, in einem(ep. 95 p. 140, 7) gedenkt er Angilberts maiorem nostrae salutationis seriem Angilbertus filiuscommunis noster . . . vöbis dir iget (J. 796); diese Worte sind ein Zeugnis für den späterenVerkehr mit Angilbert, vgl. außerdem MG. SS. 15, 176. Zur Erhebung zum Patriarchens. Ale. ep. 28 p. 70 n. 1 und Giannoni S. 13 ff. Für die Synode zu Prankfurt verfaßte Paulinden SacrosyIlabus, 1 ) s. Giannoni S. 62. 64f., Hauck 2, 298; im Jahre 800 widmet er Karl

') Steht im Monac. 14468 s. IX f. 4257.