71S Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Widukind an vorletzter Stelle der unter Folcmar eingetretenen fünfzig Mönche genannt wird,s. Dümmler, Jahrb. unter Otto d. Großen S. 94 n. 1 und Catal. abb. et mon. Corb. in MG.SS. 13, 276. Ueber die Studien und Bücher zu Korvei s. G. Hü ff er, Korveier Studien. Zuseinen früheren Arbeiten s. Sigeberti de Script, eccl. 129 (ed. Miraeus p. 149) Windichindusmon. Corbeiae Saxonicae scripsit historiam Saxonum usque ad mortem primi Othonis im-peratoris et ad Matildam filiam Othonis invp. sci-ipsit vitam ipsius imperatoris. Scripsit metricepassionem Theclae virginis et vitam Pauli primi eremitae alterno stilo scripsit und Res gestaeSaxon. 1, 1 (ed. Kehr p. 3, 27) Post operum nostrornm primordia guibus summi imperatorismilitum triumphos declaravi, nemo me miretur principum nostrornm res gestas litteris vellecommendare. Beweise für ständigen Aufenthalt im Kloster s. Kehr p. VII. Zu seiner Aus-wahl des Stoffes s. Praef. 1 p. 1, 15 Nee tarnen omnia eorum gesta nos posse comprehenderefatemur, sed strictim et per partes scribimus ut sermo Sit legentibus planus, non fastidiosus.Die Bescheidenheit über sein Werk Praef. 3 p. 85, 10 Unde laboris nostri opus, quod a di-versis moribus diverse aeeipitur eo quod ingenii sermonisque claritate egeat ist die üblicheaffektierte, denn es gab wohl wenig Kleriker damals in Sachsen, die so schreiben konntenwie Widukind. Zur Einseitigkeit seiner historischen Anschauung vgl. Kehr p. XIII und n. 7.Der summus pontifex bei ihm ist der Primas Germaniens, der Erzbischof von Mainz, s. denindex bei Kehr (E. Stengel) p. 158; nur 3, 76 p. 127 erscheint der Papst a bealo aposlolicodesignatus in imperatorem. Bis zum Tode Wichmanns 3, 69 reicht die Hs. A, doch scheintdiese Verkürzung schon auf deren Vorlage zu beruhen. Höchst wichtig ist das einzige vonWidukind eingelegte Aktenstück am Schluß in 3, 70, der Brief Ottos an die Großen Sachsens. 1 )Zu der Aenderung in betreff Hattos s. Kehr p. XVII; in C sind die Aeußerungen über Hattowesentlich verkürzt und gemildert, in A beinahe unterdrückt. 2 ) Zu den Quellen des Werkess. Kehr p. XI f.; zur mündlichen Ueberlieferung, die Widukind benutzte, vgl. p. XIII n. 2und 9, p. XIV n. 1. Zu der Vermutung über Köln ist zu vergleichen, daß Erzbischof Wilhelmwahrscheinlich die Portsetzung von Reginos Chronik angeregt hat, die ja eine Reichs-geschichte bietet; also die Historiographie ist doch wohl durch das ottonische Haus gepflegtworden. Zum Charakter der Res gestae Saxonicae s.Wattenbach 1, 364—367. Zur An-lehnung an die alten Geschichtschreiber und Dichter s. Manitius, Neues Archiv 11, 47—62,wo ich allerdings manches nicht mehr aufrecht erhalten möchte (s. auch Kehr p. X); 3 )Kehr hat in den Noten zu seiner Ausgabe die wichtigsten Stellen hieraus und aus der Aus-gabe von Waitz (1882) angemerkt.
Portleben und Handschriften. Der älteste Benutzer ist Thietmar von Merseburgin seiner Chronik, s. ed. P. Kurze p. X. Hiermit fast gleichaltrig ist Casin. 298 s. XI in.,der mit einer der im alten Katalog des Klosters (s. XV) erwähnten zwei Hss. 4 ) jedenfallsidentisch ist. s. Manitius, Neues Archiv 32, 685. Ausgeschrieben wird Widukind spätervon den Annal. Mettenses und besonders von Frutolf von Bamberg, der eine mit B' sehrähnliche Ueberlieferung benutzte, s. Kehr p. XXV; indirekt kam Widukinds Bericht ausFrutolf (oder Ekkehard) in eine ganze Reihe von Geschichtsquellen, s. Kehr p. XXV. Sige-bert von Gembloux (s. auch oben) scheint die Sachsengeschichte in einem C nahestehendenTexte gekannt zu haben. Aus der Mitte von s. XII stammt die Hs. Mus. Brit. Add. 21109,die im Kloster Steinfeld geschrieben wurde (B 1 ). Dieser Hs. sehr nahe stand die vonM. Frecht in der ed. princ. benutzte Hs. von Eberbach, und eine ähnliche Ueberlieferunghenutzten der Annalista Saxo sowie die Annal. Magdeburgenses. Die etwas verkürzte Formwurde um 1220 im Kloster Altzelle abgeschrieben (A), und zu gleicher Zeit wird Widukindim Leben des Bischofs Altmann von Passau, später in einer Auslegung der Apokalypsebenutzt. Endlich findet sich Widukind ausgeschrieben in einem Werke Dietrichs von Niemaus dem J.1414. Hss.: Dresd. J 38 s. XIII in.; Mus. Brit. Add. 21109 s. XII; Casin. 298 s.XI in.Ueber die angebliche Korveier Hs. von J. F. Falke und über die Hs. von Neuwerk bei Hallevgl. Kehr p. XXIV. Ausgaben: von Waitz, MG. SS. 3, 408—467, und Handausgabe 3 (1882);rec. K. A. Kehr, Hann. u. Leipz. 1904. — Vgl. R. Köpke, Widukind von Korvei, Berl. 1867.Wattenbach 1,363—368. Ebert 3, 428 ff. Hauck 3, 311 ff. K. E. H. Krause, NeuesArchiv 16, 610 ff.
x ) Ob im Wortlaut ganz echt? Die Worte \ 3 ) Die Vita S. Martini ist sicher benutzt,
publicae rei nostrae scheinen eher von Widu- j s. Kehr p. XI n. 12, und vgl. 3, 63 p. 116 Ergo
kind zu stammen.
2 ) Daß der Stil hier vielleicht etwasanders klingt als sonst, möchte ich nichtmit Wattenbach 1, 368 n. 2 auf Rechnungeines Fremden setzen; Widukind hat ebenseinen ursprünglichen Bericht geändert.
qualiter .. . dilataverit, nostrae tenuitatis nonest edicere mit V. Mart. 10, 1.
4 )Bibl.Casin.lp.LXXXVIlI; beide zeigenim Anfang von Praef. 1 die Lesart Flore vir-ginale.