Widukind von Korvei.
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erkennbar ist, ist das uneingeschränkte Lob der Sachsen und ihres Fürsten-hauses. Doch ist bei der ganzen Richtung seines Werkes anzunehmen,daß er Beziehungen zur königlichen Familie gehabt hat, die ihm die An-sammlung eines so reichhaltigen historischen Materials erleichtert haben;das geht ja auch schon aus der Widmung an Mahthilde von Quedlinburghervor. Jedenfalls berührt die Anschauung Widukinds über die Ereignissenicht eben sehr klostermäßig oder mönchisch. So würde eigentlich dieNachricht Sigeberts, daß er ein Leben Ottos des Großen verfaßt habe, rechtgut zu dem Wesen Widukinds stimmen, der den König ganz in den Mittel-punkt der Darstellung versetzt und diese mit allerhand antiken Reminis-zenzen ausgesucht zu verbrämen weiß; aber von einer solchen Schrift würdeman gewiß etwas mehr wissen, und ich möchte jetzt auch der Ansichtzuneigen, daß diese merkwürdige Nachricht auf einem Versehen des sonstso kenntnisreichen Literarhistorikers beruht. 1 ) Von Widukinds Leben istsonst nichts bekannt, außer daß er Otto I. überlebt haben muß; er selbsttritt in seiner Sachsengeschichte ganz in den Hintergrund.
Frühestens im Jahre 962 hat Widukind seine Arbeit begonnen, denner widmete das erste Buch, wie auch die zwei folgenden, der jugendlichenKaisertochter Mahthilde, 2 ) der Äbtissin von Quedlinburg. Jedes der dreiBücher versah er mit einem Widmungsbriefe, 3 ) der geradezu übermäßigeSchmeichelei für die junge Fürstin enthält. In dem ersten dieser Briefekündigt er die Tendenz des ganzen Werkes an: Mahthilde solle durch dasLesen der Taten ihres Großvaters und Vaters noch mehr Größe und Ruhmerlangen, als sie schon besitze; er habe aber nicht alles aufzeichnen können,was unter der Regierung beider Herrscher geschehen sei, sondern nur Teileherausgegriffen, um dem Leser klar und verständlich zu bleiben, da dieserdurch zu große Ausführlichkeit leicht abgestoßen werde. Und den Eingangüber die anfänglichen Schicksale der Sachsen habe er vorangestellt, umdie junge Fürstin zu ergötzen und sie in ihrer Muße angenehm zu unter-halten. Und wenn er am Anfang der Erzählung 1, 1 sagt, daß er in seinenfrüheren Werken das ausgeführt habe, was er seinem Stande schuldig sei,und in dem neuen die Ergebenheit seinem Geschlecht und seinem Volke gegen-über zum Ausdruck bringe, so Dekennt er darin offen, daß der Mönch beiihm den Sachsen nicht überwuchert hat, 4 ) sondern daß die Liebe zum sächsi-schen Volke die Haupttriebfeder für die Abfassung seiner Geschichte war.
Die Darstellung setzt mit einem sehr ausführlichen und interessantenBericht über die sächsische Stammessage ein, dem mühsam und unver-ständig 5 ) aufgesuchte Stellen aus alten Autoren über die Sachsen voran-gestellt werden. Widukind hat für diesen Teil nach seiner eignen Aussage
') Res gestae Saxon. ed. Kehr p. IX.Nämlich aus den mißverstandenen Worten1. 1 summi imperatoris militum triumphosdeclaravi und aus der Widmung an Mahthilde.
2 ) Vgl. ed. Kehr p. 1, 3 Flore virginalicum maiestate imperiali . .. fulgenti dominaeMdhthildi.
3 ) Vgl. ed. Kehr p. 1. 54. 85.
4 ) Vgl. auch die von Kehr p. XIV n. 1
gesammelten Stellen.
5 ) Nämlich 1, 2. Die Stelle aus Josephus(Bell. lud. 2, 16) bezieht sich auf Germanenim allgemeinen, die Stelle aus Lucan fußtauf falscher Lesart (so im Bruxell. 5330 s. X).Daß die Sachsen von den Griechen abstammensollen, wie Widukind in seiner Jugend ge-hört hat, schmeckt durchaus nach der Schule.