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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Langobardische Geschichtsquellen des 9. Jahrhunderts.

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geben zu haben scheint. So mußte das historische Gerippe, das Agnellusim Katalog dieser Kirchenfürsten vorfand, durch reichliches Material ausUrkunden, Bullen, Briefen und Inschriften aller Art zu einer lesbaren undzusammenhängenden Geschichte ergänzt werden. Außerdem mußte sichAgnellus nach einschlägigem Material in Annalen und Chroniken umsehen.Auf dieser nur mühsam zu gewinnenden Grundlage hat er dann sein Werkaufgebaut, das für seine Zeit einzig dasteht durch die Verwertung alleserreichbaren Stoffes. Agnellus hat hierin eine neue Methode der historischenUntersuchung und Darstellung gegeben, und es ist nur zu bedauern, daßseine geradezu vorbildliche Art fast kaum Nachahmung gefunden hat, wennman von den Rheimser und Hamburger Bistumsgeschichten eines Flodoardund eines Adam absieht. So ist sein Werk inhaltlich von sehr großemWerte, eine Menge von Epitaphien und von Inschriften aller Art werdenin ihm allein aufbewahrt und die inschriftlich-historische Forschung hataus ihm viel Nutzen gezogen. Auf der andern Seite ist diese groß an-gelegte Geschichte der Ravennater Erzbischöfe formal durchaus ein Kindihrer Zeit. Die Sprache verrät keinerlei wirkliche Durchbildung, der Stilist unlateinisch und hart, 1 ) die Sprache schwerfällig und von biblischerFärbung. Verhältnismäßig selten erhebt sich die Darstellung sprachlich zueinigem Schwünge, besonders dort, wo es Kämpfe zu schildern galt; dasind dann mehrfach Flicken aus Vergil aneinandergesetzt 2 ) und Agnellusscheint den Versuch zu machen, Verse zu bilden.

Zum Namen s. den Prolog (MG. SS. rer. Langob. et Ital. p. 278, 25) vestrl Agnelli quiet Andreas, c. 32 p. 297, 11 ego Agnellus qui et Andreas; außerdem Scolastici vers. 21 unddas Carm. dactil. 21 (p.276,4 und 278,17). Als er Kap. 54 schrieb, war er 32 Jahre 10 Monatealt, p. 315, 29 Hodie denique sex gero lustra, duobus insuper annis et bis quinos mensos,ex quo lumen rccepi, und c. 94 schrieb er zu Anfang von 839, s. p. 338, 17 Et nunc peneannis 38 cum Karolus rex Francorum . . . Romanorum percepisset a Leone III papa Im-perium. Zur Erziehung c. 25 p. 289, 36 qui nutriti in gremio s. Ursiana ecclesia fuimus. ZumEmpfang der Abtei S. Maria s. c. 167 p. 387,1 Iste monast. s. Mariae qui vocatur ad Blachernasad Andream laryivit presbiterum eratque adhuc puer; et accepit ab eo praedictus pontifex 3 )solidos aureos 200 ... praedictis 200 aureos, quos ego ei in gemella porrexi; zur Uebernahmevon St. Bartholomäi c. 110 p. 349, 27 et alba monasterio s. Bartolomaei extitit, übi nunc, uticonspicitis, ego sum . .. ex dimissione Sergii diaconi patruelis mei; zur Wegnahme des Klostersdurch Erzbischof Georg s. c. 136 p. 366, 31 A Oeorgio pontifice per pauca annorum curri-cula sine causa privatus ad hoc monasterio fui. Zum Reichtum des Agnellus s. die vonHolder-Egger p.270 n.9 angeführten Stellen. Zur Bitte der Brüder c. 32 p. 297,10 Hunc . . .Pontificalem ... ego Agnellus qui et Andreas exiguus sanctae meae huius Ravennatis ecclesiacpresbiter rogatus et coactus a fratribus ipsius sedis composui. Die Ekloge steht p. 277 f.,Personen sind Agnellus und die Priester; sie enthält vier Tetrastichen, zwei Disticha, zweiMonosticha und schließt mit acht adonischen Versen. Vor die Ekloge hat ein andrer Dichterein Gedicht von 101 Versen gestellt, 4 ) in denen das Werk gepriesen und seine Entstehungetwas erläutert wird; doch ist das Latein dieser Verse so schlecht und ungelenk, daß manchesunverständlich bleibt. Zur Taufe der sonst nicht bekannten Kaisertochter Rodtrud s. c. 171p. 388, 1419. Im J. 854 (oder 869?) erscheint in einer Schenkung ein Ravennater Pres-byter Andreas, s. Marini, Pap. dipl. p. 155. Zur langsamen Abfassung des Werkes s. Holder-Egger p. 271,12 ff. Höchst drastisch und merkwürdig ist die c. 54 p. 315 f. erzählte Nöti-gung, die Agnellus von seinen Mitklerikern wegen der Portsetzung des Werkes erfuhr. Im

') Vgl. die Charakteristik in c.171 p.388,10 Iste iuvenis aetate, capillo crispo capitis,grandes oculos.

2 ) Vgl. besonders die Schilderung derSchlacht von Pontanetum c. 174 p.389,30-38;p. 389, 30 lucida tela klingt sogar an Lucret.

de rer. nat. 1, 147 an.

3 ) Nämlich Erzbischof Martin, dessenEpiskopat ca. 810 bis ca. 818 fällt.

4 ) Titel (p. 275) Incipiunt versiculi cuius-dam minimi scolasticorum titulantes opus librisequentis.