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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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712 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

scheint. Ausgabe der Gesta sowie der Wundergeschichten und der VitaS. Athanasii von G. Waitz, Script, rer. Langob. et Italic, p. 402465. Überdie von Petrus verfaßten Heiligenleben s. F. Savio in Atti dell' accad. diTorino 36, 665 ff.

Agnellus von Ravenna. Agnellus, der auch nach seinem GroßvaterAndreas hieß, stammte aus vornehmem Geschlecht und war um 805 ge-boren. Er wurde schon als Knabe dem Klerus der Kathedrale seiner Vater-stadt Ravenna zugewiesen und erhielt noch vor Erfüllung seines zwölftenLebensjahres, als er schon Presbyter war, von dem Erzbischof Martin für200 Solidi die Abtei St. Maria ad Blachernas, zu der er später die vonSt. Bartholomäi erwarb, 1 ) die ihm aber der Erzbischof Georg wieder füreinige Zeit nahm. So spielte Agnellus infolge seiner hohen Verwandtschaft,wegen seines Reichtums und seiner engen Verbindung mit dem Erzbistumeine große Rolle in der Stadt, wozu sein Kunstverständnis und frühzeitigerworbene Kenntnisse nicht wenig beitrugen. Als daher unter dem Epi-skopat des Petronacius der Wunsch nach einer Geschichte der RavennaterErzbischöfe nach dem Muster Roms rege ward, wandte sich die Geistlich-keit der Stadt an Agnellus und trug ihm die Bitte vor, eine solche zuschreiben. Er ging darauf ein und hat diese Bitte des Klerus und seineWillfährigkeit in einer kurzen Ekloge dargestellt, 2 ) die er an den Anfangseines Werkes setzte. Die Zeit der Abfassung bestimmt sich dadurch, daßin Kap. 94 (p. 338, 17) erzählt wird, es seien seit der Krönung Karls desGroßen 38 Jahre vergangen, und daß das einleitende Gedicht, das ein Ra-vennater Schulmeister vorangestellt hat, berichtet, das Werk sei unter demPontifikat Gregors IV. und unter dem Kaisertum Ludwigs und Lothars ge-schrieben. Beendet hat Agnellus seine ausführliche Darstellung mit demLeben des Erzbischofs Georg, 3 ) von dem er nur Ungünstiges zu berichtenweiß. Das stimmt zu der oben angeführten Tatsache, und daher stammtwohl das Leben Georgs noch von Agnellus selbst. Ist dies der Fall, soist Agnellus bei der Taufe von Lothars Tochter Rotrud zugegen gewesen,die zwischen 835 und 839 von Georg in Pavia vollzogen wurde. Vielleichthat Andreas-Agnellus noch 854 gelebt.

Agnellus hat sein Werk langsam vollendet, trotzdem er von seinenFreunden zuweilen auf das heftigste gedrängt wurde, wie er selbst in Kap. 54sehr eingehend berichtet. 4 ) Aber er hat zu dieser ausführlichen Arbeit auchlängere Zeit verwenden müssen, da seine Quellen zum Teil entlegen undzum Teil nicht leicht zu entziffern gewesen sind. Es kam ihm nämlichdarauf an, eine urkundliche Geschichte der Erzbischöfe zu schreiben, under übertrifft bei seiner Ausführung hierin sogar sein Vorbild, den römischenLiber Pontificalis. Die Arbeit war vor allem deshalb schwierig, weil es inRavenna offizielle Aufzeichnungen über die einzelnen Erzbischöfe nicht ge-

1 ) Sie wurde ihm durch Verfügung seines | rogantibus.

Verwandten, des früheren AbtesSergius, zuteil. ; 3 ) Ueber die Schwierigkeit der Vereini-

2 ) Daß er der Verfasser des Gedichts I gung dieser Tatsache mit den Versiculi sco-war, hat Holder-Egger in der Vorrede i lastici cuiusdam 66 s. Holder-Egger p. 271.p. 271, 3 richtig bemerkt; es ergibt sich das j 4 ) Dort (p. 315, 29) erzählt er, daß eraus den Anfangsworten der Aufschrift Vobis j soeben 32 Jahre und 10 Monate alt sei.