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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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709
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Langobardische Geschichtsquellen des 9. Jahrhunderts. 709

wo er über die Fortsetzung hinzufügt (p. 223, 27) Et quorum hie supter eontinet, eorumhistoriae minime ad nostram pervenit notitiam; sed inquantum per seriem lüterarum seuper antiquos homines potui veraciter sclre, hie scrivere delectatus sunt. Zu den Fabeln, dieerzählt werden, vgl. die Noten von Waitz zum Text der Ausgabe. Die Hs., Sangall. civ.C 23 (= 317) s. IX f. 7886, ist wahrscheinlich das allerdings nicht ganz eigenhändigeOriginal, s. Waitz'Vorrede p. 220, 17 ff.; doch ist das erste Blatt dort abgeschnitten, dasaus Sangall. 620 s. XII ergänzt wird. Bethmann, Archiv 10,369. Beiden Hss. fehlt derSchluß (Sang. 620 bricht schon p. 229, 40 ab). Ausgaben: Muratori, Antiquitates mediiaevi Ital. 1, 37. Pertz, MG. SS. 3, 231; rec. Waitz, SS. rer. Langob. et Ital. p. 221230. Zuder unglaublich wilden und rohen Sprache s. Bethmann, Archiv 9, 659 und 10, 367370.

Erchempert von Montecassino. Erchempert, der Sohn des Lango-barden Adelgarius, wurde von seinem Vater, der zu den Vornehmen inTeano gehörte, zu unbekannter Zeit der Stiftung des heiligen Benedikt inMontecassino zugeführt. Es ist aber zweifelhaft, ob er dort Mönch gewordenist, denn nachdem er schon 881 nach der Eroberung der Festung Pilanumdurch Pandonulf nach Capua gebracht worden war, wurde or einige Jahrespäter in der Nähe von Capua durch griechische Hilfsvölker des Herzogsvon Neapel mit seinem Lehrer l ) auf offner Straße ergriffen und aufs neueausgeraubt. Allerdings erzählt er, daß nach der Verwüstung des Klostersdurch die Sarazenen der Graf Atenolf dem Kloster auch seine in Capualiegenden Besitzungen genommen habe, und daß der Abt Adelgarius daherihn nach Rom gesandt habe, um den Papst Stephan zu einem Machtspruchezu bewegen; damals habe das Kloster seinen Besitz zurückerhalten, ihmselbst aber habe man alles, sogar die ihm vom Abt in der Nähe der Stadtüberlassene Zelle geraubt. Erchempert kehrte wohl nicht nach Montecassinozurück, nachdem das Kloster wiederaufgebaut war, sondern er blieb wohlin Capua und hat hier seine Geschichte der Beneventer Langobarden ver-faßt, zu der er von verschiedenen Seiten gedrängt wurde. Er hatte das Werkdes Paulus mit der Fortsetzung von Montecassino gefunden und bietet nunhierzu die Weiterführung, 2 ) indem er mit der Zeit des Arichis beginnt,aber erst nach der Mitte des 9. Jahrhunderts bei den Ereignissen ausführ-licher wird, die sich an Herzog Adelgis und seine Nachfolger anknüpfen.So steht die Geschichte seiner eignen Zeit im Vordergrunde, er hat siebis 889 geführt und seine Darstellung endet mit einem Ausblick auf spätereZeit; aber zum Bericht über diese Verhältnisse scheint er nicht gekommenzu sein. Denn gestorben ist er jedenfalls nicht so zeitig, da sich ein Computusvon ihm erhalten hat, der die Berechnung des Jahres 904 ergibt. Aberauch in der Dichtung hat Erchempert sich hervorgetan. So erwähnt er inseiner Langobardengeschichte eine jedenfalls umfangreiche Dichtung aufden Bischof Landulf von Capua, 3 ) die wohl die schärfsten Invektiven ent-hielt. Außerdem dichtete er Verse zu Bedas (?) Martyrologium, die zur

') Das zeugt nicht gerade vom EintrittErchemperts ins Kloster {solus cum preeeptoreremansi), obwohl auch nicht bestimmt daraushervorgeht, daß Erchempert nicht ins Klostereingetreten war. In der Ueberschrift desMartyrologiums wird er allerdings monachusnwnasterii S. Benedicts de Castro Casini ge-nannt.

2 ) Das ergibt sich aus p. 235,12 generiam fati Desiderii, was auf die Contin. c. 5

(p. 199, 30 ff.) geht.

3 ) In seiner Geschichte verrät Erchem-pert c. 31 bei der Charakteristik Landulfs dieKenntnis von Sallust, nämlich p. 246, 16 ela-tus supra quam credi potest, vgl. Sali. Cat.5, 3. Ueberhaupt ist diese ganze Charakte-ristik nach der Catilinas in c. 5 gearbeitet.In c. 6 stammt der erste Vers von GrimoaldsAntwort (p. 237, 3) aus Horaz A. P. 383.