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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

als eine Biographie nach dem Muster, das vor zwanzig Jahren Einhartim Lehen Karls gegeben hatte. Der zusammengetragene Stoff, der immerhinziemlich reichlich ist, wird nämlich nur durch die chronologische Reihenfolgeder Ereignisse notdürftig zusammengehalten, so daß Walahfrids Wort be-rechtigt ist, die Schrift sei nach Art der Jahrbücher verfaßt. Unzweifelhafthat sich Thegan auch an solche angelehnt, seine historiographische Kunstist aber so gering, daß er nicht einmal deren Komposition nachbilden kann,geschweige denn Einharts Leben Karls, trotzdem er es, wie Kap. 19 erweist,wirklich vorliegen hatte. Aber nicht nur die Gestaltung des Stoffes, sondernauch sein Stil ist derartig, als ob weder Einhart, ja nicht einmal Alchvine oderHraban vor ihm geschrieben hätten. Das hat auch der feine Stilist Walahfriderkannt, der in seiner Vorrede mehrfachen Tadel ausspricht. Die Ursachedieser Erscheinung liegt aber wohl hauptsächlich darin, daß dem Thegandas Bibellatein als gut genug für die historische Darstellung erschien under sich nicht die Mühe genommen hat, seinen Stil nach der römischenHistoriographie umzubilden, 1 ) wie das Einhart in vollendetem Maße gekonnthat. Die Zeit erklärt das nicht, denn noch waren Fulda. Reichenau undSt. Gallen hervorragende Bildungsstätten, denen sich bald andere Klösteranschlössen. Jedenfalls finden wir bei Thegan keine Spur von Kunst-darstellung, die Schreibweise leidet an bedauernswerter Eintönigkeit, gegendie das Bibellatein sogar oft vorteilhaft absticht, und die gröbsten gramma-tischen Fehler des 8. Jahrhunderts sind wiedergekehrt. Und auf demselbenNiveau steht die Berichterstattung. Sie wird lediglich von der geistlichenAuffassung diktiert. Das ganze Buch ist eine große Lobrede auf Ludwigund dessen Frömmigkeit, eine reale Würdigung der Tatsachen gibt es nicht.So gewahrt man ein vollständiges Abgleiten des geschichtlichen, höherenStiles zugunsten kirchlicher Tendenzen, und wäre nicht Walahfrid in früherenJahren mit Thegan mehrfach in Verbindung getreten und dazu kein soentschiedener Anhänger Ludwigs gewesen, so hätte er dieseTaten Lud-wigs" wohl nicht mit einem Vorwort versehen und in Kapitel mit Über-schriften eingeteilt.

Zeugnisse. Die Abstammung ergibt sich aus Walahfrids Prolog (MG. SS. 2, 589)Thegan natione Frdncus ... vir nobilis und aus den maßlos heftigen Ausfällen gegen hoheKleriker aus niederer Familie, die Stellung aus dem Prologe Trevircnsis ecclesiae chorepi-scopus und aus Walahfrids Gedichtaufschrift Carm. 5, 2 (PL. 2, 351) Ad Degan chorepiscopnmTrevirensem, sowie aus den beiden Urkunden 3. Jan. 842 (Neues Archiv 10, 157) SignumTheganberti chorepiscopi und 15. Mai 847 (ib. 10, 154) Theigenbertus chorepiscopns et prae-positus. Das Gedicht in Tattos Namen an Thegan ist Walahfr. Carm. 5, 2 p. 351; das Walah-frids ist Carm. 5, 3, dort 5 Carmina Pigmei mittam simul atque gigantis. Die Worte imProlog sind Novimns et nos virum multa lectione instructum und vorher In cuius quibusdamsententüs quod effusior et ardentior in loquendo videatur, ut vir nobilis et acris animi, quodde indignitate vilium personarum dolor suggessit, tacere non potuit. Der Brief an Hattosteht MG. Ep. 5, 337 N. 22; die Anrede nobilissimo duci ac consuli paßt nur auf einen hoch-stehenden Nichtkleriker, dagegen die Worte venerabili et in Christo patri nur auf einenGeistlichen, vgl. Simson, Forsch, z. deutsch. Gesch. 10, 330 n. 2. Walahfrid nennt im Prologden Thegan praedicationis et correctionis studiis occupatum. Zur Beisetzung der zwei Mär-tyrer s. Transl. SS. Chrys. et Dar. 1 (MG. SS. 15, 375, 20) memorata die translata sunt sanc-

l ) Seine literarischen Kenntnisse sind sehrgering. In c. 20 p. 595, 38 erwähnt er dieCura pastoralis Gregors, c. 44 p. 600, 5 und52 p. 601 gibt er zwei Zitate aus Vergils Aeneis

und ib. 600, 14 erwähnt er Homer, Vergil undOvid. Dagegen quillt seine Sprache von Bibel-reminiszenzen über.