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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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652 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Dicuil sich so eng an seine Quellen anlehnt, daß das Werk für die Römerder ausgehenden Kaiserzeit geschrieben zu sein scheint. Daß die Zeitenweitergegangen sind, bemerkt man fast nicht; nur ganz beiläufig ist einmalvom Frankenreiche und von Kaiser Karl die Rede (7, 35 p. 55, &ff.), vonSachsen und Bayern erfährt man gar nichts, um so mehr von den ungewissenNachrichten griechischer Geographen über Germanien aus Plinius. 1 ) Somacht das Buch einen sehr altertümlichen Eindruck und steht auf gleicherStufe mit dem späteren karolingischen Werke De situ orbis. Nur an wenigenStellen erzählt Dicuil von seiner Zeit, und das bezieht sich dann fast nurauf seine alte oder seine neue Heimat. So erwähnt er seinen Lehrer Suibneus,dem ein Mönch Fidelis in seiner Gegenwart von einer Pilgerreise erzählthabe, wobei man vom Nil ins Rote Meer zu Schiffe gefahren sein wollte. 2 )Am wichtigsten ist hier seine Erzählung über die Inseln bei Irland undBritannien p. 41, 2 ff., namentlich über die Fär Öer, die von irischen Ein-siedlern etwa seit hundert Jahren aufgesucht worden, jetzt aber wegen dernormannischen Seeräuber unbewohnt seien, wie er von einem Geistlichenwisse; den Namen dieser Inseln habe er aus Büchern nicht erfahren könnenp. 44, 4 ff. Ebenfalls wichtig ist, daß ihm von einigen Geistlichen, die sichvom 1. Februar bis zum 1. August in Island (Thile) aufgehalten hatten, imJahre 795 über einige klimatische Verhältnisse der Insel Angaben gemachtwurden, die er p.42, 2244, 3 wiedergibt, um hierbei gegen irrige Angabenalter Autoren zu polemisieren. Aber das sind, wie gesagt, die einzigenBerührungen mit der Gegenwart, und man sieht deutlich, in weichem Bannedes Altertums man im 9. Jahrhundert befangen war. So war nicht einmalEinhart verfahren, der doch in seinen Annalen mehrfach die geographischenEigennamen seiner Zeit gegenüber den antiken gebrauchte.

Das Jahr der Abfassung steht fest nach 9,13 p. 85, 9 Post octingentos viginti quinqueperactos Summt annos domini ... requies largitur fine laboris. Der Autor nennt sich 9, 13p. 83. 9 Dicuil aceipiens ego tracta auctoribus ista Pauca loquar. Am Ende des fünften Ab-schnitts steht p. 19, 9 Mensuratioorbister7-aefin.it; diesen durch Dicuil und Vat. Palat. 1357s. XIII (unvollständig) erhaltenen Abschnitt gab nach der zweifachen Ueberlieferung ge-sondert heraus E. Schweder, Beitr. z. Chorographie d. Augustus 1, 616; es ist die scriptummissorum Theodosii (p. 3,11), die dieser im J. 435 aufnehmen ließ und die im Pal. 1357Divisio orbis terrae heifit; sie beruht auf der Arbeit des Augustus (genannt p. 5,15) unddes Agrippa (genannt p. 7, 21). Die hinzugehörigen Schreiberverse gibt Dicuil 5, 4 p. 19 mitder unmöglichen Einführung Duodecim versus praedictorum missorum de imperante Theo-dosio hoc opus fieri incipiunt. Das achte Kapitel hat eine Stelle aus Servius 3 ) zur Aen. 3,571, der im 9. Jahrb.. in alten Katalogen ausdrücklich nur in St. Gallen (B. 22, 426) genanntwird. In Kapitel 69 wird mehrfach Priscians Periegesis angeführt, 4 ) die in karolingischerZeit außerdem in den Exempla diversorum auctorum und im Florileg des Micon (vgl. Traube,PL. 3, 786. Manitius, Rhein. Mus. 48,172) sowie im Briefe Ermenrichs (Dümmler, MG.Ep. 5, 576 f.) reichlich benutzt wird. 5 ) Dagegen steht das Zitat p. 28, 1 ut Priscianus in de-

Hs. Berol. Phillipp. 1832 s. IX, wo viel Ser-vianisches dazwischen geschrieben ist.

4 ) Nämlich p. 39, 20. 42,3. 52,6. 61,14.68, 21. 82,19.

5 ) Die Ueberlieferung zeigt namentlichp. 40, 4 (Vs. 570) Hinneigung zu A; die Be-zeichnung p. 39, 20 ff. ist fast dieselbe wieim Leid. Voss. F. 67 s. X f. 24. In alten Kata-logen wird das Werk s. IX nur in Lorsch er-wähnt, s.B. 37,530 = 38,67 mit genau gleicherAufschrift wie Voss. F. 67. ,

! ) Da die Germania des Tacitus nichtbenutzt wird, so war sie wohl nicht am frän-kischen Hofe zu finden.

-) Interessant ist hier der Bericht übersieben Pyramiden (horrea . .. quae sanctus (!)Iosepih fecerat) und über deren Messung 6,1315 p. 26, 227, 4, sowie über die viaMoysi per rubrum mare, von der man an-geblich vestigia curruum et rotarum orbitasPharaonis noch sehen wollte 6, 17.18 p. 27.

3 ) Benutzt wird er öfters, z. B. PL. 3, 436Vs. 1924 (Heiric), in der astronomischen