Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
648
Einzelbild herunterladen
 

648 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

mindestens hatte er zur kaiserlichen Familie Beziehungen. So zeigt ersich in einem Gedicht, das er an das Ende des wohl von ihm durch-gesehenen Werkes Priscian über die zwölf Verse Vergils stellte, über dengrammatischen Unterricht der Jugend orientiert und im Anfange seinesgeographischen Werkes sagt er, daß er soeben eine Schrift in Briefformüber zehn Fragen aus der Grammatik fertiggestellt habe. Vorher aberarbeitete er an einem astronomisch-komputistischen Werke in vier Büchern,das er innerhalb der Jahre 814816 vollendete und dem Kaiser Ludwigüberreichte, wobei er ihn darum bat, es genau abschreiben zu lassen. DaßDicuil wissenschaftlichen Sinn besaß, geht aber auch aus der Art derQuellenbenutzung und mehrfach angedeutetem kritischen Verfahren in seinerMensura orbis terrae hervor. Er lernte nämlich das an den fränkischenHof gekommene Exemplar der Mensuratio orbis kennen, dessen Schreiber-verse schon Godescalc zwischen 781 und 783 bei der Herstellung seinesprächtigen Evangeliars benutzt hatte. Desgleichen fiel ihm, vielleicht aucham Hofe, eine Handschrift des Julius Honorius in die Hände, in der auchdie später fälschlich als Aethici cosmographia bezeichnete Kosmographieenthalten war. Außerdem konnte er mehrere Exemplare des Plinius be-nutzen, und mit dem, was er in diesen Quellen und im Solin und Isidorfand, verband er die Nachrichten, die er über die heimische Inselwelt er-fahren hatte, und setzte daraus im Jahre 825 ein geographisches Werkzusammen, das zwar die Quellen über die einzelnen Objekte nacheinanderaufführt, aber doch nicht jeder Quellenkritik entbehrt. Die Widmung diesesWerkes ist verloren und zu einem größeren Einfluß scheint die Mensuraorbis nicht gelangt zu sein, wie man auch von späteren Schicksalen oderArbeiten Dicuils nichts mehr weiß. Kein Zeitgenosse erwähnt ihn.

Zeugnisse. Die irische Abkunft der Name steht Mens, orbis 9, 13 Vs. 1 (ed. Par-they p. 83, 9) und PL. 2, 668 N. 21, 27 nach Mens, orbis 7, 6 p. 41, 3 nostram insulamHiberniam, vgl. 7, 15 p. 44, 15 ex nostra Scottia; diese Stelle läßt vielleicht darauf schließen,daß Dicuil zu der Irenkolonie von Hy gehörte, wozu auch 7, 6 p. 41, 7 sed magis in partecircii et septentrionis illius habundaut. in alias quibus ipsarum habitavi, alias intravi, aliastantum vidi, alias legi stimmt, da sich hieraus der Aufenthalt auf Inseln nordwestlich vonBritannien ergibt. Aufenthalt im Frankenreiche s. 7, 35 p. 55, 5 ut populi communiter regniFrancorwm elephantem in tempore imperatoris Karoli viderunt; zu dem Elephanten s. An-nales regni Franc. 802 und 810 (ed. Kurze p. 116 und 131), er starb an der Lippemündungwährend des Dänenfeldzuges. Die Beziehung zur Herrscherfamilie ergibt sich aus den Wid-mungsversen des komputistischen Werkes') im Valentian. 386 s. IX f. 67 a Nunc genitumCarolo volo dilectare loquendo, f. 72 b Propter ea regi pauper convivia feci, f. 73 a SuccessorCaroli felix Hlodvice valeto, Dicuil liaec ego que feci argumenta videto, f. 76 b LongevusVictor caesar Hlodvice valeto, f. 77 b Liber enim neque sam cogar ne-) reddere censum, Prae-sertim Franci portent dum munera regi; Idcirco Augusto censum portare parabo Morevolens Uli famuli servire fidelis: f. 91 Augusti fili Lhudoice auguste valeto, Sis Augustorumpater. Das grammatische Gedicht steht im Valentian. 377 s. IX f. 54 b und im Leid. Voss.Q. 33 s. X f. 111, ed. Keil, GL. 3, 390 und Dümmler, PL. 2, 667; in dem Gedicht wirdkurz über den Hauptinhalt von Priscians Schrift De XII vers. Aen. princ. gehandelt, 3 ) undDicuil erwähnt hier ein Werk, das er selbst in Anlehnung daran als eine Prosaschriftverfertigt hatte, Vs. 15 Ut feci ante alios tales discernere causas In prosa fieri nullo mode-ramine metri. Es ist kaum noch ein Urteil darüber möglich, ob dies dasselbe grammatische

') Ich benutzte eine mir von L. Traube | handelt Priscian in c. 1. 4. 7. 8.12. 13.9.7.

geliehene Abschrift, die Heller einst fürDümmler angefertigt hatte.

2 ) Hierfür ist wohl nee zu lesen.

3 ) Die Vs. 9 erwähnten elf Verba be-

6. 11. 12: weggeblieben sind cano (c.2), arceo(c. 9), pando (c. 11). Zur Beschäftigung mitder Schrift s. die Mensura orbis 8, 31 p. 77.