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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Die Stellung bei Ludwig ergibt sich besonders daraus, daß ihn der Kaiser überhauptam Hofe ließ (s. Kurze, Einhard S. 31) und aus dem Wunsche Ludwigs, daß Einhard seinenSohn und Mitkaiser Hlotar in besondere väterliche Aufsicht nahm, s. Einh. ep. 11 p. H4 !30 ff. (an Hlotar) ambos salvos esse vohii postquam vos in societatem nominis et regni... ad-sumpsit 1 ) meaeque parvitati precepit ut vestri curam gererem ac vos de moribus corrigendiset honestls atque iitilibus sectandis sedulo commonerem.-) Ueber Einharts allmählichen Rück-zug vom Hofleben s. Kurze, Einhard S. 35 und 49 ff. Die Uebertragung der beiden Märtyrerstellte er selbst ausführlich dar, der Bericht MG. SS. 15. 238 ff., s. unten. Rückkehr an denHof s. Transl. S. Marcellini et Petri 3, 19. Entlassung aus dem Hofdienst erbeten in ep. 10p. 114,17 a curis saecularibus absohitum ac liberum fiert faciatis. Spätere (?) Briefe besagenfreilich, daß diese Entlassung nicht so ganz gegeben wurde, nämlich 13 p. 116, 14 p. 117,15 und 16 p. 118, 18 p. 119, wie überhaupt aus der Mehrzahl der Briefe hervorgeht, daßEinhart sich nicht ganz zurückgezogen haben kann; danach hat M. Bondois, La translationdes saints Marcellin et Pierre S. 85—112 den Versuch gemacht, Einharts weiteren Anteilan der Politik und seine Parteistellung in den Kämpfen von 830—834 darzustellen. Freilichberuht diese Darstellung auf einer unrichtigen chronologischen Feststellung hinsichtlich derTranslatio SS. Marcellini et Petri (S. 22—31), vgl. 0. Holder-Egger, Neues Archiv 33, 233.Wichtig sind die Erörterungen von M. Bondois (S. 51—63) über das persönliche VerhältnisEinharts zu den Heiligen und ihren Wundertaten. Zum Todesjahr Immas s. Kurze, EinhardS. 80 f.; zu Imma s. Chronicon Lauresham. MG. SS. 21, 360 und Einh. ep. 3 p. 111, 4 f. sowieihre beiden Briefe in Einh. ep. N. 37 und 38. Zur Schrift De adoranda cruce vgl. Lupiep. 4 (MG. Ep. 6,15, 5 f.) Libellum de adoranda cruce meo hulkio utilissimum quem meonomini dedicastis, ut par fuit amplexus sunt; das Werkchen findet sich im Vindob. 956 s. Xf. 108—110 und ist aus der Hs. ediert von Dümmler. Neues Archiv 11, 235—238 und vonHampe, MG. Ep. 5,146—149, vgl. Hauck 2,179, Kurze S. 83 f. Die Schrift über diePsalmen wird nur erwähnt im alten Katalog von Bobbio s. X — XI (B. 32, 600) Libellus Ein-ardi de p>salmis; was bedeutet aber das unter N. 553 angeführte Werk EinhardiUbruml 3 )Zum Todestag und Jahr s. Jaf fe, Bibl. rer. Germ. 4, 499. Die Grabschrift Einharts von Hraban(eine Hs. fehlt) steht PL. 2, 237 f. als Hrab. carm. 85. 4 )
Vita Karoli. Dies Lebensbild Karls des Großen stellt die beste mittel-alterliche Biographie dar. Es ist zwar ganz nach dem biographischenSchema Suetons angelegt und unter fortwährender stilistischer Benutzungvon dessen Lebensbeschreibungen römischer Kaiser ausgeführt, aber eswahrt sich doch innerhalb der einzelnen Teile vollständige Freiheit. ImProlog setzt Einhart den Zweck der Schrift auseinander und gibt als derenEntstehungsursache seine tiefe Dankbarkeit gegen den kaiserlichen Herrnund Freund zu erkennen. Im Eingang des Lebens verfährt Einhart inso-fern genetisch, als er die historische Notwendigkeit vom Uebergang derköniglichen Herrschaft auf das Haus Karls mit wenigen, aber kräftigen,sogar drastischen Zügen 5 ) darstellt. Vom Zwiste der Brüder Karl und Karl-mann geht er dann auf die Großtaten des Königs über, die er an der Handder Lorscher Annalen darstellt. Hierauf kommt der eigentliche Glanzpunktdes Werkes, die eingehende Würdigung von Karls persönlichem Wesen
') Im Juli 817, s. Mühlbacher, RegestenN. 627 a.
2 ) Er muß dem Kaiser sehr nahe gestan-den haben, denn der Schlußsatz im Briefeeines unbekannten Geistlichen (MG. Ep. 5,616, 20 f.) wendet sich an Einhart, obwohlder Brief an Ludwig gerichtet ist. Das setztfast voraus, als habe Einhart für den Kaiserdie Briefe empfangen, mindestens aber siegelesen. Daß Einhart der kaiserlichen Korre-spondenz nahestand, ergibt sich aus seinemBrief N. 4 (MG. Ep. 5, 111,13 ff.)
3 ) Da es nach einem Psalterium erwähntwird, könnte es vielleicht das Werk über
die Psalmen sein. Nach seiner Stellung intheologischer Literatur wäre aber auch andieTranslatioSS.Marcellini etPetri zu denken.
4 ) Vgl. zum Leben Einharts Ebert 2,92ff. Wattenbach l,198ff. Hauck 2,176ff.Hampe. Neues Archiv 21, 599—631.
5 ) Manches ist aus der kleinen LorscherFrankenchronik genommen, während die Dar-stellung der Vita Karoli wieder den Annalenvon Fulda als Grundlage diente. — In c. 9wird der geschichtliche Kern der Rolandsageerzählt. Der Schlachttag wird nur durch dasEpitaph Eggihards überliefert (PL.l,109f.).Dort n. 1 das verdächtige Epitaph Rolands.