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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Fürsorge für die ihm übertragenen Abteien. Seine völlige Hingabe cmkirchliches Wesen erhellt daraus, daß er im Jahre 827 die Gebeine derHeiligen Marcellinus und Petrus durch seinen Notar Ratleic entwendenließ, um sie nach kurzem Aufenthalt in Michelstadt nach Mühlheim imMaingau zu bringen, das später Seligenstadt hieß. Indes begab er sichdoch wieder an den Hof, um diesen im Jahre 830 für immer zu verlassen,als der Familienzwist zwischen Ludwig und seinen Söhnen völlig aus-gebrochen war. Im Winter 830 vollendete er den Bericht von der Über-tragung seiner Heiligen nach Ostfranken, wobei es ihm besonders daraufankam, die Wunder, die sich am Grabe beider angeblich zutrugen, aus-führlich darzustellen. Im Jahre 836 starb seine Gemahlin Imma, die vonder späteren Sage zu einer Tochter Karls des Großen gemacht worden ist,wozu das Verhältnis Angilberts und Berthas Veranlassung gab. Zu der-selben Zeit bat Lupus von Ferneres seinen Freund Einhart, ihm seine An-sicht über die Verehrung des Kreuzes mitzuteilen; daraus erwuchs einekleine Abhandlung, die dem Freund gewidmet wurde; dagegen ist es un-sicher, unter welchen Umständen die verlorne Schrift über die Psalmenentstand. Am 14. März 840 ist der reichbegabte Mann gestorben, seineGrabschrift verfaßte Hraban, der Abt von Fulda.

Zeugnisse. Literatur zum Leben Einbarts: E. Bacha, Etüde biographique sur l'Egin-hard, Lieges 1888. K.Hampe, Neues Archiv 21,599631. F. Kurze, Einhard, Berlin 1899. -Zum Namen: Einhart schreibt er selbst (s. die Urkunden) und so auch Walahfrid im Pro-loge zur Vita Karoli (ed. Holder p. 28) 1 ) und im Gedicht auf die Statue Theoderichs (PL. 2,377 Vs. 220). Hraban in der Grabschrift hat Einhard (s. PL. 2, 238 N. 75, 4), Ermold in hon.Hludow. 2, 31 (PL. 2, 25) Heinard, der Verfasser der Annales regni Franc. 806 (ed. Kurzep. 121) Einhard;'-) danach ist Einhart vorzuziehen. Zur Herkunft: Walahfrids Prolog (ed.Holder p. 28) Natus enim in orientali Francia 'in pago qui dicitur Moingeuui in Fuldenticenobio sub pedagogio sancti Bonifacii martiris prima puerilis nutriture rudimenta suscepit;Hrabans Epitaph 3 (PL. 2. 238) Conditus ecce iacct tumulo vir nobilis isto, Einhardus nomencui gemtor dederat und die Urkunde bei Dronke, Codex diplomat. Fuld. p. 103 N. 185, woEinhart und Engilfrit (Einharts Eltern) ihre Güter in Urithorpfe an Fulda vermachen; 3 ) vor-nehme Abstammung gibt ihm Walahfrid im Prolog a. a. O. p. 28 pocim propter singulari-tatem capacitatis . . . quam ob nobilitatis, quod in eo munus 4 ) erat insigne. Die Urkundenstehen bei Dronke a. a. O. S. 53 N. 87 ego Einhart rogatus scripsi vom 19. April 788 (dar-aus aber dürfte sich ergeben, daß Einhart eher vor als nach 770 geboren war), S. 60 N. 100ego Einhart scripsi vom 12. Sept. 791, S. 61 N. 102 Jahr 791, S. 103 N. 183185 ohne Datummit gleichem Vermerk; in N. 73 p. 123 wird ein Einhart als Zeuge genannt, wohl eher derSohn als der Vater, in einer späteren Urkunde von 817 (Neues Archiv 27, 1215. 32 f.)sucht M. Tangl (a. a. O. S. 25 ff. und 31 f.) möglichen Zusammenhang mit Einhart darzutun.Die Sendung an den Hof durch Baugulf wird durch Walahfrids Prolog p. 28 bezeugt, zumJahr s. Kurze, Einhard S. 9. Zur äußeren Erscheinung s. Alchvines Gedicht 30, 11 (PL. 1,248) 1 Ianua parva quidem et parvus habitator in ae.de est, 8 Nardule, die lector pergenx,tu parvnle, salve und Theodulfs Gedicht 25 (PL. 1, 487) 155 Nardulus huc illuc discurratperpete gressu ... Res magna et parvi pectoris antra colit; hierzu Walahfrids Prolog p. 29Predictus itaque homuncio, nam statura despicabilis videbatur und das Gedicht 23, 225 (PL.2, 377) Magnorum quis enim maiora reeeperat umquam Quam radiäre brevi nimium mira-mur homullo?'") Daß Einhart in der Abwehr gewandt war, bezeugt Theodulf a. a. O. 160

') Simson, Ztschr. f. d. Gesch. d. Ober-rheins NF. 7, 317.

2 ) Die Schreibung mit d entsprach nachAnsicht der Zeit wohl mehr der lateinischenForm des Namens.

3 ) Vgl. Dronke, Traditiones et antiqui-tates Fuldenses p. 23 N. 14 Einhart et uxorsua Engilfrit tradiderunt S. Bonifacio bonasua in Urdorf cum terris agris pratis silvis

domibus et familiis.

4 ) Die Lesart aus Freiburg. 468 s. XVmunus bei Simson, Ztschr. f. d. Gesch. d.Oberrh. NF. 7, 317 ist durchaus richtig, dieSätze quae promittebat und quod insignesind völlig adäquat. Die von Kurze S.5 n.4vorgeschlagene Aenderung ist nicht nötig.

6 ) Die Worte homuncio und homullus ausPriscian Inst. 3, 6. Ueber die Größe Ein-