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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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638 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

man ganz deutlich aus dem fast vollständigen Mangel an Wundern. Unddas ist ein Umstand, der ihr auch heute ein nicht geringes Gewicht ver-leiht, denn er ist für jene Zeit höchst selten. Weitreichende literarischeKenntnisse besaß Willibald nicht, sie beschränken sich auf Rufin, Hierony-mus, Victorius, Gregor, Cassian und Isidor. Doch ist hervorzuheben, daßseine Sprache und Ausdrucksweise nicht wenig von seinem Landsmann Ald-helm beeinflußt wird. Denn wie dieser liebt er den Schwulst in der Sprache,der sich oft bis zur Unklarheit steigert, wozu namentlich auch die bedeu-tende Länge vieler Satzperioden beiträgt. Außerdem macht er, wie Ald-helm, Jagd auf seltene Worte und Ausdrücke, die ihm wohl durch Glossenzuflössen, und endlich zeigt er, wie sein Landsmann, eine nicht geringeLiebe für alliterierende und assonierende Verbindungen; im übrigen wirdAldhelm nicht selten unmittelbar als stilistisches Vorbild benutzt. Die ur-sprüngliche Orthographie, die Willibald gebrauchte, ist kaum von der karo-lingischen Bildung berührt, sondern vermischt insulare Besonderheiten mitkontinentalen Gewohnheiten.

Zeugnisse. Name und Titel in der Aufschrift (Vitae S. Bonifatii ed. W. Levisonp. 1, 5) Willibaldus licet indignus in domino presbyter; hieraus ergibt sich, daß es nicht der741 zum Bischof in Eichstätt erhobene Willibald, der Gefährte von Bonifaz, war, der zudemvom Verfasser der Vita c.8 (p. 44, 6 ff.) als eine dritte Person eingeführt wird; vgl. Levison,Vitae S. Bonifatii p. VII f. Die angelsächsische Herkunft geht aus der unversehrten Schreibungder angelsächsischen Namen hervor (nach E. Schröder, s. Levison p.VIII), ferner aus dervielfach insularen Orthographie, die mit der der Bonifazbriefe und der Vita Willebaldi etWynnebaldi enge Berührung zeigt (s. Levison p. XXXIX ff.), sowie aus der Benutzung Ald-helms. Die Aufforderung durch Lul und Megingoz nach der Vorrede ed. Levison 1,4. 7 ff.;zur Bischofszeit von Megingoz s. Levison p. IX f. Die Bitte Milrets s. Bonif. ep. 112 (Ep. 3,401) cuius venerabilem vitam et gloriosam finem ut mihi in notitiam venire facias, totis viri-bus exopto. Daß Willibald in Mainz lebte, macht Levison p.VIII wahrscheinlich, er ver-wirft aber mit Recht die Angaben der späten Mainzer Vita c. 13 (ed. Levison p. 104, 24bis 105, 6). Willibald kannte seinen Helden kaum persönlich, da er sich nirgends auf dessenAussagen ihm gegenüber beruft, s. Levison p.VIII. Zu Lul und Megingoz als Bericht-erstattern s. Praef. p. 2, 30 sicut . .. vel vobis ipsis referentibus conperirem und c. 9 p. 56,15ad nos usque per venerabilem virum Lul episcojmm delatum est atque ... intimatutn ; andereQuellen Praef. p. 2, 30 sicut discipulis eius secum diu commorantibus . . . conperirem; c. 1p. 4,13 quemadmodum relegiosis viris referentibus conperimus qui cottidiano eius conloquioet relegionis conversatione sedulo praesentati, ea qnae audierunt vel viderunt, in exemplumposteris tradiderunt, vgl. außerdem die von Levison p. XI angeführten Stellen. Zur Zeitdes Werkes s. Levison p. X. Zur Annahme von fragmentarischer Erhaltung und von will-kürlichen Eingriffen Luis s. Jaffa, Bibl. rer. Germ. 3, 424 und Wattenbach 1,152; da-gegen A. J. Nürnberger, De s. Bonifatii Germanorum apostoli vitis . . . commentatio p.7und Levison p. XII f. Zur Gesamtwürdigung der Vita s. Jaffe, Bibl. rer. Germ. 3, 423. EinWunder wird nur in dem fast lediglich als späteres Anhängsel erscheinenden Kapitel 9p. 56 f. erzählt. Zu den literarischen Kenntnissen Willibalds s. Levison p. XI, die Stellenaus Aldhelm in den Noten zum Text p. 3. 7. 11 f. u. a., vgl. außerdem p. XIII. Zu seltenenWorten vgl. celox 20,13. conglobatim 26, 13. contribunales 21, 1. epibata 16, 7. excubitor undsuperspeculator 1 ) 38,14.12. ledonis ac malinae inruptiones 56,26. munitas 42,16. rumige-rulus 18, 9. suotim 22, 17. tricatio 25, 8. Von der Orthographie der besten Hs. (Monac. 1086)ist von Levison p. XXXIXXLII jetzt ein klares Bild gegeben, das viel insulare Zügeaufweist.

Ueb erlief erung. Zu Aufschriften in alten Katalogen s. Manitius, Neues Archiv32, 662. Levison zählt p. XVII XXVI 40 Hss. auf, deren weitaus wichtigste Monac. 1086s. IX (aus Freising) ist, sodann Sangall. 552 s. IX, 577 s. X, Caroliruh. Aug. 136 s. IX (gehtauf Reginbert zurück), Monac. 14704 s.X. Ausgaben: von Pertz, MG. SS. 2, 331: von Jaffe,Bibl. rer. Germ. 3, 422; von Levison, Vitae S. Bonif. archiep. Moguntini 157. Zur Sprache:A. Nürnberger, Disquisitiones crit. in Willib. vitam S.Bonif. Breslau 1892.Watten-bach 1, 151.

') Beides gleich episcopus.