Gesta Berengarii Imperatoris. 633
und Land Verse mache, während in alter Zeit die Dichter in die Palästeder Großen gezogen worden seien. Er gibt sich aber der Hoffnung hin,daß sein Beispiel begabtere Dichter anziehen werde, des Kaisers Ruhm zubesingen. Im Eingang des ersten Buches ahmt der Verfasser den Beginndes Paschale Carmen des Sedulius nach, indem er bemerkt, daß er dochwohl ein Recht habe, den christlichen Kaiser mit Lob zu bedenken, daGriechen und Römer ihre heidnischen Großen besungen hätten. Von Karldem Großen und dessen Nachkommen geht er dann auf die Zeiten Widosund Berengars ein und stellt die Taten desselben bis zur Kaiserkrönungdar. Das Gedicht ist lebendig und eindrucksvoll und an manchen Stellennicht ohne Schwung geschrieben, doch hat die Quellenanalyse ergeben,daß das meist auf Rechnung der vom Verfasser benutzten Dichter zu setzenist: nämlich gerade diese Stellen beruhen auf Versen oder ganzen Vers-reihen aus Vergil, der Thebais des Statius und auf der Ilias Latina. 1 )Ganz besonders gilt das für die drei ersten Bücher, während das viertesich als selbständiger ausweist. Unter solchen Umständen sinkt der Wertdes Epos für die Geschichte bedeutend, wenn der Verfasser auch als Zeit-genosse die von ihm dargestellten Ereignisse erlebt hat; die Kampf-schilderungen im einzelnen mögen mehr oder weniger der Phantasie desLehrers entstammen, die durch die antiken poetischen Vorbilder Anregungerhielt. Vor allem aber zeigt sich der Lehrer in der mit dem Gedichtverbundenen Glosse. Nämlich schon der Dichter selbst hat es wegen dervielfach eingestreuten mythologischen Momente, die sich aus der getreuenNachahmung antiker Vorbilder ergaben, für notwendig gehalten, Erklärungenzu geben; weitere Veranlassung hierzu boten historische und geographischeDinge, die erzählt werden, sowie endlich die dichterische Verwendung derWörter und die in der Poesie gebräuchliche Syntax. Wieviel von diesenzahlreichen und zuweilen umfänglichen Glossen auf Rechnung des Dichterszu setzen ist, wird sich bei der Überlieferung des Werkes nur durch eineeinzige Handschrift, die noch dazu erst aus dem 11. Jahrhundert stammt,nicht mehr genau bestimmen lassen. Doch hat v. Winterfeld 2 ) wohl mitRecht darauf aufmerksam gemacht, daß manche Erklärungen erst späterhinzugesetzt sein können. Aus den Glossen aber ergibt sich ein bedeutendesantiquarisches Material, das benutzt worden ist, hierüber vgl. unten.
Zeugnisse. Die Zeit ergibt sich aus der 4,89 —197 erzählten Krönung im J. 915und dem Todesjahre Berengars 924. Zum Nachweis von Bernheim (Forsch, z. deutsch. Gesch.14,138 ff.), daß der Dichter kein Mönch war, fügt v. Winterfeld (PL. 4, 354) die StelleProl. 17 Endroniidos te cura magis victusgue fatigat hinzu, aus der weltliche Beschäftigunghervorgeht. Vergleicht man hiermit 4, 203 Nee tentdbo meis ultra fastidia dictis, 0 iuvenes,inferre, calet quis pectore sanguis Et plectro meliore movet precordia Clio, so ist kaum einZweifel, daß man es mit einem Lehrer zu tun hat. Die Kenntnis der geschichtlichen Er-eignisse und der Oertlichkeiten läßt auf Oberitalien schließen. 3 ) Kenntnis des Griechischens. den Titel des Prologs, des Werkes und viele Scholien. Zu Horaz s. v. Winterfeld p. 355und Glosse zu 2,132 p. 377. Zur Verbreitung der Poesie in der Gegenwart Prol. 14 car-inina ... Haee faciunt urbi, hec quoque rure viri. Zur Hoffnung des Dichters s. Glosse zuProl. 26 cum viderint docti tanto honori me imparem, amore pii imperatoris seribere in-
') 4, 25 ff. sind aus Boethius cons. phil. 3 \ 2 ) PL. 4,355.
metr. 2,7—16 genommen. Außerdem kennt 3 ) Zur italischen Abkunft s. auch Dümm-
der Dichter Juvenal, Prudentius, Sedulius. 1er, Gesta Bereng. S. 6; daselbst S. 9 f. zum
4, 24 klingt an Claudian in Eutrop. 2, 349 an. \ Verhältnis des Dichters zu Berengar.