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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
bei v. Winterfeld p. 543—548. Ihr Wortschatz ist nicht unbedeutend, siewiederholt sich aber unausgesetzt, was ihrer Dichtung nicht sehr zumVorteil gereicht, s. darüber die Noten in der Ausgabe v. Winterfelds undStrecker, Anz. f. deutsch. Altert. 29,37 f.
Ueberlieferung. Hrotsvits Gedichte waren bald verschollen, sie befanden sich inRegensburg, wo sie wohl im Katalog s. X (ß. 42. 466) unter dem Titel ars metrica de nathi-tate s.Martae gebucht werden, während ihr Vorkommen im Katalog von 1347 unsicher ist. 1 )Diese Hs. ist Monac. 14485 s. X(— XI?), genau beschrieben v. Winterfeld p. III f.-) Ab-schrift hiervon Pommersfeld. 2883 a. 1494 von Theod. Gresmund jun., s. v. Winterfeld p. V.außerdem nur des Gallicanus im Monac. 2552 s. XII. Eine andere Abschrift war wohl dieHs. in Altzelle (Neues Archiv f. sächs. Gesch. 18, 251). die im Katalog von 1514 unter 0 3eingetragen war als Opera Hrosuite ittustris virginis monialis (mit Hraban de laude s. cru-cis), aber verschollen ist. Auf anderer Ueberlieferung fußen die Primordia. die s. XVI imKloster Klus vorhanden waren. Auf diese Hs. geht die Ausgabe von Leuckfeld (Antiq.Gandeshem. p. 410 ff.) sowie die verlorene Hs. von Hannover zurück, die von Leibniz (SS.rer. Brunsvic. 2, 319 ff.) und Pertz (MG. SS. 4, 306) benutzt wurde; auch eine Koburger Ab-schrift ist verschwunden, s.Waitz, Archiv 8,266 und Wattenbach. Anz. des german.Museums 20, 345 ff. Ausgaben: ed. Geltes, Nürnberg 1501. 3 ) Barack, Die Werke der Hrots-vitha, Nürnberg 1858; rec. et em. P. de Winterfeld, Berol. 1902 (Hauptausgabe); ed.Kar. Strecker, Lips. 1906 (Teubner). Zur Ausgabe v. Winterfelds gab kritische Nachträge(S. 40—50) usw. Strecker, Anz. f. deutsch. Altert. 29, 34—53. derselbe im Progr. von Dort-mund 1906 die Erträgnisse einer Neukollation des Monac. 14485. W. H. Hudson, Engl, hi-storical review 1888 S. 431 ff. über die Werke, besonders über die Dramen. Andere Lite-ratur bei Wattenbach 1,370 und v. Winterfeld p. XXIV.
Zu bemerken ist außerdem, daß v.Winterfeld die unbehilfliche Sequenz Gaude cae-lestis sponsa (Kehrein, Lat. Sequenzen des Mittelalters N. 480) der Hrotsvit beilegt, vgl.Arch. f. d. Stud. d. neu. Spr. u. Lit. 114, 35 ff. Endlich ist auf eine Ekloge 4 ) aufmerksam zumachen, die von der Kenntnis des Terenz im 9. Jahrh. Zeugnis ablegt. Die Interlokutorensind ein Delusor und Terentius. Dieser wird von seinem Verspotter als unnützer und un-sauberer Dichter herausgefordert und will sich wehren, besinnt sich aber nach kräftigemAngriff plötzlich auf sein Alter: dort bricht das Gedicht ab. Es steht im Paris. 8069 s.X— XIund ist vortrefflich erläutert und herausgegeben von v.Winterfeld, Hrotsvithae operap. XX — XXIII. Ueber frühere Ausgaben vgl. daselbst p. XX.
108. Gesta Berengarii Imperatoris.
Innerhalb der Jahre 915 und 924 hat ein Lehrer, der wahrscheinlichin Ober- oder Mittelitalien, vielleicht in Verona lebte, die Taten des 915zum Kaiser gekrönten Berengar in einem Epos von vier Büchern besungen.Er verstand etwas Griechisch und gab seinem Werke, ähnlich wie späterLiutprand, einen griechischen Titel IJavi]yvQixov BsQevyagiov xov äviy.r\xovKaiaagog. 6 ) Das Gedicht wird durch einen Prolog eröffnet, der ein Zwie-gespräch zwischen Dichter und Werk bildet, das aber kaum der Ansprachevon Horaz an sein Buch verdankt wird, da Horaz dem Dichter unbekanntblieb. Der Dichter vergleicht im Prologe die Ehrung der Poesie in Altertumund Gegenwart, er erhofft keinen Ruhm für sich, da man jetzt in Stadt
') Es könnte nur N. 165 sein, vgl. Zen-tralbl. f. Biblwes.20,12.
2 ) Sie enthält und enthielt nur die Le-genden, Dramen und die Gesta Oddonis. ImKatalog vonl500 ist die Hs. genau beschrieben,s. v.Winterfeld p. XHIn. 44.
3 ) AlsKuriosum sei erwähnt, daß Asch-bach. Roswitha und Conr. Celtes (Wienl867.-1868) die Werke Hrotsvits für eine huma-nistische Fälschung gehalten hat.
4 ) Dazugehört auch die häufige Benutzung
Vergils, die sich in dem Gedichte von 67 Versenzeigt. Vielleicht endete das Gedicht in Di-stichen, wie es mit solchen, und zwar epana-leptischen, beginnt.
5 ) Der Titel Panegyricus stammt wohlkaum aus der Kenntnis des Sidonius, dermindestens dem Glossator bekannt ist; aller-dings scheint Sidonius in der Frühzeit denitalienischen Bibliotheken zu fehlen, denn ichkonnte ihn in alten Katalogen erst von 1339an in Italien auffinden.