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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Feststehen aber dürfte jetzt, daß Hrotsvit sich in Vs. 535—557 stark anden Waltharius Ekkeharts angelehnt hat, wie v. Winterfeld l ) nachwies.Sonstige poetische Vorbilder, abgesehen von ihren eignen Dichtungen, hatHrotsvit in den Taten Ottos nur wenig benutzt, es tritt fast nur Vergilhervor.
Das letzte 2 ) ihrer erhaltenen Werke ist ein Gedicht über die Anfängedes Klosters Gandersheim, gewöhnlich Primordia genannt, das sie viel-leicht erst unter der Regierung Ottos IL verfaßt hat. Es beginnt mit demRuhm und Preis der Stifter, des Grafen Liudolf und seiner Gemahlin Oda,und erzählt, wie Oda durch eine Erscheinung des Apostels Johannes zurGründung des Klosters bewogen worden sei. wie das Kloster gestiftet wurdeund Liudolf und Oda in Rom von Papst Sergius die Bestätigung erhielten.Hrotsvit führte die Geschichte des Klosters, in die sie mehrere anmutigvorgetragene Exkurse 3 ) verflocht, bis zum Tode der Christina, die als letzteÄbtissin aus Liudolfs Geschlecht 919 starb. In einer gewissen Verbindungmit diesem Gedicht hat ein weiteres über das Leben der Päpste Anastasiusund Innocentius gestanden, das nach einer allerdings ziemlich späten Nach-richt der Hrotsvit zugeschrieben wird. Nämlich nach Primordia 161—172schenkte Sergius an Liudolf und Oda Reliquien dieser beiden Päpste, undwahrscheinlich gelangten auf demselben oder auf ähnlichem Wege auch dieLebensbeschreibungen beider nach Gandersheim. Sie wurden von Hrotsvitin Verse umgesetzt und scheinen im 16. Jahrhundert noch erhalten ge-wesen zu sein, und zwar waren sie vor die Primordia gestellt. WannHrotsvit gestorben ist, ist unbekannt. Mit ihr starb ein ungemein dich-terisch beanlagtes Talent, denn sie hatte in ihren Dramen der Dichtkunstneue Wege gewiesen. Und obwohl sie in der Auffassung von Terenz unddes antiken Lustspiels völlig auf dem Boden ihrer Zeit stand, ist sie sichdoch bewußt gewesen, daß sie durch den Versuch einer Nachahmung desTerenz aus den Traditionen der Gelehrtenpoesie heraustrat.
Zeugnisse. Zur Abstammung vgl. Köpke, Otton. Studien 2, 37 und Leibniz, Annal.imperii 3,208. Zur Namensform vgl. die Ausgabe von v.Winterfeld p. VI n. 1, daselbstp. I zum Geburtsjahr (und p. VI n. 2). Zur Bildung und zum Unterricht vgl. die Vorrede zurGesamtausgabe der Legenden p. 2. Dort 2. 5 ff. ihre Selbstkritik, 2,10 ff. der Vorwurf wegenBehandlung von Apokrypha. Die Form der Elegie besitzt nur I, 3 (Passio s. Gongolfl mariiris).Ueber das Verhältnis Hrotsvits zum Pseudo-Matthäus s. K. Strecker, Hrotsvits Maria undPseudo-Matthäus (Dortmund 1902) S. 4ff.; im allgemeinen stimmt ihr Bericht zu Tischen-dorfs Hs. C, geht aber auch mit anderen Hss. gegen C; sie benutzte eine Hs. von der Klasse,der C und im letzten Grunde auch D angehört, deren Text aber von C erheblich abwich(Strecker S. 16), woraus sich mehrfache Zusätze und Abweichungen Hrotsvits erklären(S. 16—19). Die Aufschrift der Maria heißt (p. 5) Historia nativitatis laudabilisque conver-sationis intactae dei genitricis quam scriptum repperi sub nomine sancti Iacobi fratris do-mini; die der Ascensio lautet (p. 30) De ascensione domini. Hanc narrationem Johannes epi-scoptcs a graeco in latinum transtnlit, die Person dieses Johannes ist unbekannt. Zur Auf-schrift des Pelagius Passio sancti Pelagii pretiosissimi martiris qui nostris tempoi'ibus 4 ) inCordnba martirio est coronatus vgl. die Ueberschrift von Buch 2 (Dramen, p. 105, 2) excepta
') In der Ausgabe p.219f.; vgl. außer-dem 722 p. 225 und 1176 f. p. 226.
2 ) Vs.81 Haec igitur modici demonstratpagina tibri Plenius, e causis verum quemscripsimus havum beweist, daß das Gedichtnach den Taten Ottos geschrieben wurde.
Zur genaueren Datierung s. Köpke, Otton.Studien 2,41.119.
3 ) Ueber Heimatkunst in den Primordias. v. Winterfeld, Archiv f. d. Stud. d. neu.Sprachen und Lit.ll4,30f.
4 ) Nämlich im Jahr 925.