Hrotsvit von Gandersheim.
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gedieht hierzu schrieb. In der Widmung an den alten Kaiser bemerkt sie,daß vielleicht eben mehrere mit der Darstellung seiner Taten beschäftigtseien und daß das wohl auch in Zukunft geschehen werde; ihr habe jeden-falls niemand ein solches Werk geliehen, sie habe keine schriftlicheVorlage gehabt. Sie sei auch nicht für Entstellungen verantwortlich zumachen, denn sie habe so geschrieben, wie diejenigen ihr gesagt, von denensie mündlichen Bericht erhielt. Am Schluß bittet sie den Kaiser, ihr zuverzeihen, daß sie ihn bis zur Kaiserkrönung König nenne. Interessanterist die Widmung an Otto IL, denn hier erfährt man, 1 ) daß der junge Kaiserdie Nonne kürzlich mit freundlichem Blick aufgefordert hatte, ihr das Gedichtzu überreichen. Mag sich das im Kloster oder am Hofe zugetragen haben,jedenfalls geht daraus persönlicher Verkehr Hrotsvits mit der Herrscher-familie selbst hervor. Und wenn sie dann Vs. 33 f. darum bittet, der Kaisermöge ihr neues Werk 2 ) lesen, so läßt sich daraus wohl entnehmen, daßOtto II. auch schon Früheres von ihr kannte.
Die Taten Ottos selbst umfaßten einst 1517 gereimte Hexameter,doch sind die Verse 753—1140 und 1189—1478 verschwunden, da fast zweiganze Lagen aus der Regensburger Handschrift verloren gegangen sind. 3 )Das Gedicht beginnt mit der überaus kurz und ungenau 4 ) behandeltenRegierung Heinrichs L, der Charakteristik seiner drei Söhne und der sehrausführlich dargestellten Verheiratung Ottos mit der englischen PrinzessinEadith. Die Familienzwiste und Bürgerkriege nach Ottos Regierungsantritterzählt Hrotsvit auf ganz eigentümliche Weise, sie vertritt den geistlichenStandpunkt und schiebt alles Unheil dem Teufel zu. Bedeutsamer ist derTeil des Gedichts, in dem die Schicksale der Adelheid sehr ausführlichgegeben werden, ohne daß man aber auch hier alles für bare Münze zunehmen hat. Leider sind dann in dem folgenden Abschnitt, der die innerenKämpfe darstellte, die zwei großen Lücken eingebrochen, deren zweitemitten im Bericht über die Kaiserkrönung endet. Und dies Ereignis wardas Endziel, das sie sich gesteckt hatte. Später hat sie noch einige Verseüber Otto II. hinzugefügt. Begonnen hat Hrotsvit ihre Darstellung vordem 11. Oktober 965, als Brun noch am Leben war; und beendet wurdedas Werk vor dem 1. März 968, da Erzbischof Wilhelm als lebend voraus-gesetzt wird. An eine Benutzung Widukinds kann ich mit Strecker 5 ) beider entgegenstehenden Aussage der Dichterin nicht glauben, halte es jedochfür wahrscheinlich, daß Hrotsvit von diesem Werke wußte, das zu der-selben Zeit entstand, und daß ein Austausch von Gedanken bei Mönch undNonne stattfand, wie Strecker (S. 641) vermutet. Aber auch zwischenLiutprands Antapodosis und den Taten Ottos scheint eine Beziehung ob-zuwalten, doch ist die Art dieser Beziehung bisher unaufgeklärt geblieben.
') Vs. 5 p.208 textum . . . Quem praesen-tari, si digneris reminisci, Ipse tut clarishissisti nuper ocellis.
-) Vs. 34 kann zu series entweder ver-suum oder gestorum ergänzt werden.
3 ) Vgl. die Ausgabe von v.Winterfeldp.IV.
4 ) Vgl. 17 Huic . . . Christus Eins civilem
vitae per tempora pacem; das kann eigent-lich nur im Gegensatz zu Ottos Regierunggesagt werden, die ja reich- an Kriegen inder Herrscherfamilie gewesen ist, denn anBürgerkriegen hat es der Zeit Heinrichs nichtgefehlt.
5 ) S. 640 f.