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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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624 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

und Johannes die Hauptrolle haben. Es handelt sich in dem Stück darum,daß der Feldherr Gallicanus die Tochter Kaiser Konstantins umwirbt, dieaber als Christin den Heiden verschmäht und ihre Einwilligung von derBeendung des bevorstehenden Skythenfeldzuges abhängig macht. Der Krieggeht aber für Gallicanus unglücklich, und erst seine plötzliche Bekehrungzum Christentum, die durch die beiden bei ihm weilenden Kämmerer derKonstantia Johannes und Paulus ermöglicht wird, 1 ) verhilft ihm zum Siege.Bei der Rückkehr verzichtet er auf die Ehe mit Konstantia und beschließtsein Leben beim heiligen Hilarian in Ostia in frommen Übungen zu be-enden. Der zweite Teil des Dramas handelt von Julians Verfolgung gegendas Christentum, Gallican stirbt in Alexandria und Terrentianus läßt aufBefehl Julians Johannes und Paulus töten. Doch darüber verfällt sein Sohnin Wahnsinn, und Terrentian entschließt sich nun, am Grabe der Märtyrerzu beten: sein Sohn wird gesund und er selbst bekennt sich zu Christusund seiner Lehre. Außer der Zweiteilung der Handlung ist in diesemStück der Szenenwechsel sehr merkwürdig, zumal für ein Lesedrama, indem doch durch einige eingeschaltete Worte die großen Sprünge in Zeitund Ort hätten angedeutet werden können; aber Hrotsvit läßt sich völlignoch von ihrer Quelle leiten.

Höher steht der Dulcitius, wo die Dichterin mit dem überliefertenStoffe freier schaltet und die in christlichem Sinne possenhafte Handlungkurz, aber lebendig vorträgt. Es handelt sich um die drei christlichenJungfrauen Agapes, Chionia und Hirena, die von Dulcitius, dem RichterDiokletians, ins Gefängnis gebracht werden, da sie sich weigern, die erstenHofbeamten des Kaisers zu heiraten. Dulcitius entbrennt in Leidenschaftzu den schönen Mädchen, als er sie aber im Gefängnis umarmen will, um-armt und küßt er statt ihrer die rußigen Töpfe und Pfannen, die im Vor-raum aufbewahrt wurden. Nun soll Sisinnius die halsstarrigen Mädchenbestrafen. Er läßt die beiden älteren auf dem Scheiterhaufen töten, ohnedaß die geringste Brandwunde an ihnen sichtbar wurde. Hirena soll zurStrafe in ein Bordell geführt werden, doch eine höhere Gewalt in derPerson von zwei glänzend gekleideten Jünglingen führt sie auf die Spitzedes nächsten Berges. Als Sisinnius zu Pferde hinausstürmt, wird er vonmagischer Gewalt zu fortwährendem Galoppieren um den Berg gezwungen.In seiner Verzweiflung gibt er den Befehl, Hirena durch einen Pfeilschußzu töten. Die Jungfrau stirbt unter Hinweis auf die Erlangung derMärtyrerkrone.

Einen weiteren Fortschritt in der angedeuteten Richtung zeigt dasdritte Stück Calimachus. Mit sicheren und klaren Strichen wird hierdie Liebesleidenschaft eines Jünglings zu einer keuschen christlichen Frau,Drusiana,der Gemahlin des Andronikus, gezeichnet. In der selbstverzehrendenGlut seiner Liebe offenbart sich Calimachus erst seinen Freunden und sprichtdann das verhängnisvolle Wort zu Drusiana, die ihn schroff abweist, aberin der Angst ihres Gemütes um kommendes Unheil sich den Tod wünscht,der sie auch alsbald trifft. Der trostlose Gatte befiehlt das Begräbnis

') Sie ist aber höchst unwahrscheinlich und völlig zauberhaft.