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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Hrotsvit von Gandersheim.

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zweite. Zunächst bearbeitete Hrotsvit eine Legende über den heiligenBasilius, dann schrieb sie in Anlehnung an Hildvins Leben des heiligenDionysius das Leiden dieses Heiligen, endlich verfaßte sie auf der Grund-lage der pseudoambrosianischen Vita Agnetis das Leiden dieser Jungfrau.Diese drei Gedichte faßte sie wieder zusammen und widmete sie von neuemder Äbtissin Gerberg. Später hielt sie diese Versuche auch für weitereKreise lesenswert und sie stellte daher alle acht Legenden zu einem Büch-lein zusammen und schrieb dazu eine Vorrede für jedermann und zwarnach 962, da sie in der Vorrede von Gerberg als der Nichte des Kaisersspricht. Die Legenden aber bilden das erste Buch der Gesamtausgabeihrer Werke. So hatte Hrotsvit in der Maria, an die sich die Himmelfahrtziemlich eng anschließt, mit einem Stoffe begonnen, der für die jugendlicheNonne besonders paßte. Denn es galt hier, die Jungfräulichkeit 1 ) derMaria zu rühmen, ein Thema, das die Dichterin später noch oft behandelthat. Im Gangolf ging sie mit großer Freiheit auch bezüglich desMetrums, denn das Gedicht ist in Distichen geschrieben zur neuerenZeit über, und in der Pelagiuslegende behandelte sie einen Vorgang, dersich erst vor kaum dreißig Jahren abgespielt hatte, und zwar wird hierdie männliche Keuschheit gepriesen. Im Theophilus hat sie zuerst denStoff behandelt, der später einen weitverbreiteten Gegenstand der Dichtungbildete, nämlich den Bund des Menschen mit dem Teufel. In den dreiletzten Legenden spielt wieder die Jungfräulichkeit eine besondere Rolle;sie sind aber deshalb weniger bedeutend, als sie sich doch in der Haupt-sache als Wiederholungen von Stücken der ersten Serie ausweisen. 2 )

Obwohl einzelne der Legenden von deu späteren Werken der Dichterinkaum übertroffen worden sind, machte sich doch Hrotsvit nun an einenbedeutenderen Vorwurf, sie ging zur dramatischen Poesie über. Das istum so bemerkenswerter, als diese Dichtung seit Jahrhunderten völlig ge-ruht hatte, und merkwürdig ist der Grund, durch den Hrotsvit zu dieserneuen Beschäftigung bewogen wurde. Sie hat nämlich, wie zum Buch derLegenden, auch zu ihrem Dramenbuch 3 ) eine ausführliche Vorrede ge-schrieben und teilt hier mit, daß es viele gute Katholiken natürlichKleriker gebe, die wegen der schöneren Sprache die Schriftwerke derHeiden den heiligen Schriften vorzögen. 4 ) Und wenn auch manche dieübrigen heidnischen Schriften verachteten, so würden sie doch durch dieverführerische Süßigkeit der Rede in den Stücken des Terenz angezogenund durch deren abscheulichen Inhalt vergiftet. Daher habe sie sielatinisiert hier ihren Namen mit Clamor validus Gandeshemensis den Ver-such gemacht, den Terenz nachzuahmen, um in der gleichen Dichtungsart,in der bei Terenz die Buhlerei schamloser Weiber vorgetragen werde, dieKeuschheit heiliger Jungfrauen zu feiern. Allerdings sei sie nicht selten

') Dies Thema war besonders von Ald-lielm in die Dichtung eingeführt worden, undv. Winterfeld hat in den Noten seiner Aus-gabe auch die Abhängigkeit Hrotsvits vonAldhelm erwiesen.

2 ) Vgl. Strecker S.581 ff.

3 ) Die Bezeichnung der Stücke als Ko-mödien, die seit Konrad Celtes üblich wurde,ist keineswegs angemessen.

4 ) (ed. v. Winterfald p. 106,1) cuius nospenitus expurgare nequimus facti.