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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Hrotsvit von Gandersheim. 619

eintreten und die beiden Vershälften miteinander reimen ließ; 1 ) dadurchhat er wenigstens in etwas den Eindruck des Cento verwischt. Längst gabes ja damals eine dichterische Sprache, aber der Verfasser der Ecbasis hatsie doch vielfach zugunsten einfacher Entlehnung links liegen lassen, sicher-lich nicht zum Vorteil für sein Werk, das also auch hierdurch den Charakterdes Unzusammenhängenden erhielt.

Benutzt wurde die Dichtung von Thietmar von Merseburg, und dieBeschäftigung mit ihr ergibt sich aus der oben genannten Interpolation.Aber die äußerst spärliche Überlieferung bezeugt deutlich, daß das Werknur ganz vereinzelt abgeschrieben worden ist.

Zeugnisse. E.Voigt, Ecbasis captivi S. 67 läßt für den Verfasser die Auswahlzwischen den drei Mönchen von St. Evre Agilus, Grimald und Adam; diese Vermutung istaber ohne jede Gewähr. Daß Heinrich I. am Leben war, ergeben die Verse 132 Heinriciplacitis cepi moderamina pacis und 254 Sl daret Heinricus vobis percarns amicus Sporcosqiiingentos . . . Non feret inpnne. Sein Vorleben sowie die Reue darüber schildert der Dichter,meist recht prägnant, in der Einleitung Vs. 167. Die zeitlichen Verhältnisse stellte VoigtS.l12 und 1423 dar, vgl. hierzu R. Peiper, Anz. f. deutsch. Altert. 2,8788. Die Haupt-teile des Werkes selbst sind die Innenfabel Vs. 392-1007 undl0161097 und die Außen-fabel Vs. 69391 und 10981223; in die Außenfabel sind die persönlichen Geschicke desDichters verwebt, was schon die Worte der Einleitung ergeben Vs. 66 Ac miscro vitulo sudibusquamsepe ligato, Uli consim'dispatrum frenatus habenis; Cuiusetliistoriam non simplo staminetexam. 2 ) Zur Innenfabel vgl. Voigt S.56ff., wo die vor der Ecbasis liegenden Tierfabelnaufgezählt werden, die im nichtgriechischen Europa bekannt waren. Auf den im Gedichteöfters enthaltenen kräftigen Humor macht Peiper, Anz. 2,99 aufmerksam, daselbst S. 89 ff.über politische Anspielungen, Vergleich mit dem zeitgenössischen Leben s. Voigt S. 4855.Die von Peiper S. 100 ff. 3 ) gegebene Kritik auf die angeblich starke Verwilderung derProsodie (Voigt S.31) spricht ebenfalls für meine Annahme, daß wir keine Erstlingsarbeitvor uns haben. Zur Annahme, daß das Gedicht unvollendet geblieben sei, vgl. auch ZarnckeS. 126. Zur Zusammensetzung des Gedichtes vgl. zuerst Grimm und Schmeller, Lat.Ged. des 10. und 11. JahrhundertsS. 313316 (54 Verse aus Horaz); C. Bursian, Münchn. SB.1873 S.460473 (Horaz, Vergil, Ovid, Boethius, Juvencus); Voigt S. 27-30 und in den Noten.Die Benutzung bei Thietmar S.Voigt S. 10 f. und Peiper S. 87 n. 1. Traube, NeuesArchiv 10,382, weist nach, daß das ganze Gedicht mit Ausnahme der benutzten Verse nur16 bis 19 richtige Elisionen besitzt. Hss.: Bruxell. 1061510725 f. 187200 s. XII, davonAbschrift im Bruxell.97999809 f. 130134, s.Traube, Ztschr. f. deutsch. Altert. 32.389 undPL. 3,152f. Ausgaben: Grimm und Schmeller, 4 ) Lat. Ged. des 10. und 11. JahrhundertsS. 243285; hrsg. von E. Voigt, Ecbasis captivi. Das älteste Tierepos des MA., Straßb. 1875.Zu dieser Ausgabe s. besonders R. Peiper, Anz. f. deutsch. Altert. 2,87114, wo S. 102112viele kritische Beiträge, und E. Zarncke, Leipz.SB. 1890 S. 109126. Zur Ausgabe vor-bereitende Untersuchung von E. Voigt, Unters, über d. Ursprung d. Ecbasis captivi, Progr. vonBerlin 1874. Nachträge zur Ausgabe gab Voigt, Ztschr.f. deutsche Philol. 20,363.

107. Hrotsvit von Gandersheim.

Hrotsvit stammte wohl aus edlem Geschlechte in Sachsen und warum 935 geboren. Sie trat in das Kloster Gandersheim ein, das zum herzog-lichen Hause in besonders naher Beziehung stand, indem sächsische Prin-zessinnen das Amt als Äbtissin verwalteten. Hier wurde sie durch dieLehrerin 5 ) Rikkardis und dann durch Ottos I. Nichte Gerberg, die später

') Zum Reime vgl. Voigt S. 3033 und I Lesung gehoben.

Peiper, Anz. f.deutsch. Altert.2,94ff.

2 ) Vgl. hierzu Zarncke S. 123 ff., wodargelegt wird, daß unter Franci die Ost-franken zu verstehen sind.

3 ) S. 102104 werden eine ganze Mengeprosodischer Unmöglichkeiten durch andere

4 ) Daselbst S. 286330 umfängliche Ein-leitung.

5 ) Die p. 2,29 aliarumquae suae vicis in-struente magisterio genannten Lehrerinnensind vielleicht die p. 108,14 getadelten (ma-gistrorum cessante diligentia).