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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

haft: Die Versöhnungsversuche der Mannen des Antiochus scheiterten gewiß nach dem Planedes Dichters, und die ganze Szene ist nur ein müßiges Füllsel. Aehnlich Klebs S. 336.Jedenfalls ist nach der durchaus lückenhaften Erhaltung von Vs. 769792 in der Hs. vonGent kein sicherer Schluß auf die Ausdehnung erlaubt, da die einleitenden Verse l ) völligschweigen. Ueber den Wechselgesang, der seit der karolingischen Zeit so häufig verwendetwurde, bemerkt Klebs S. 335 mit Recht, daß diese Form hier rein mechanisch verwendetworden ist, indem die Stücke rein äußerlich zugeschnitten und unter die beiden Sängetverteilt sind. Zu den Abweichungen vom Original s. Klebs S. 335 n. 3, zu den VorbildernDümmler, PL. 2,484 ff. in den Noten. 2 ) Ueber die Glossen bei Froumund und in SalomosGlossar s. Schepss, Neues Archiv 9, 178 ff., Traube daselbst 10,381 f. Einzige Hs. Gan-densis 169 p. 455--458 s. XL Ausgaben: Dümmler, Gesta Apollonii regis Tyrii metr. excod. Gand., Berlin 1877. und PL. 2,484506 mit kritischen Beiträgen von L. Traube. 3 ) ZurKritik L. Traube in PL. 2,722 und S. Singer, Apollonius von Tyrus S. 217 f. Vgl. außerdemM.Haupt, Opuscula 3,1, 22; W.Meyer, Münch. SB. 1872,3 ff.; Ebert3, 330; El. Klebs,Die Erzählung von Apollonius aus Tyrus. Berl. 1899, S. 334337.

106. Ecbasis captivi.

Der Dichter dieses umfangreichen Epos ist unbekannt. Nicht einmalganz sicher ist, welcher Stiftung er angehört hat, da Voigt 4 ) ihn demKloster St. Evre bei Toul und Zarncke 5 ) dem regulierten ChorherrenstiftSt. Etival zuweist, weil die Erwähnung der Gironde (Vs. 927) es wahr-scheinlich mache, daß er zu Bordeaux bekannt gewesen sei und Beziehungenmit den Chorherren von St. Severin gepflegt habe. Allerdings spricht diegenaue Kenntnis, die der Dichter von den Toul benachbarten lothringischenBerggegenden in den Vogesen verrät, eher für seine Zugehörigkeit nachSt. Evre. Auch die Zeit ist umstritten. Während nämlich Voigt etwa dasJahr 940 annimmt, da er in dem Gedichte die Durchführung der Kloster-reform als geschehen betrachtet, 6 ) entscheidet sich Zarncke 7 ) für die Zeitvon 925930, weil nach seiner Ansicht von der cluniacensischen Reformnichts in den dargestellten Verhältnissen zu finden sei und da Vs. 132deutlich auf die Befriedungsversuche Heinrichs I. angespielt werde, dienach der Wiedergewinnung Lothringens (925) in dem Lande erfolgen mußten.Jedenfalls sind in dem Gedichte alle örtlichen und zeitlichen Anspielungenauf eine so eigentümliche Weise mit dem Fabelstoffe verknüpft worden,daß eine sichere Lösung der in Betracht kommenden Fragen schwierig ist.Doch ergibt Vs. 254 f., daß das Gedicht vor dem Tode Heinrichs I. verfaßt ist.

Auch der Titel des Gedichtes wird verschieden erklärt. Er heißt involler Form Ecbasis cuiusdam captivi per tropologiam und ist nach Voigt 8 )vom Hinausgang des Gefangenen in die Freiheit d. h. des Mönches in derTransformation des Kalbes zu verstehen, während Zarncke ihn mit derBefreiung des Kalbes aus der Burg des Wolfes erklärt. 9 ) Der Dichtererzählt von sich, daß er auf ein verfehltes Jugendleben zurückschaue; die

*) Auch aus den aus Walahfrid zitiertenWorten Vs. 3 ff. läßt sich nichts entnehmen.

2 ) Auf Beschäftigung mit Boethius weistVs. 781 f. hin, wie Dümmler angab (Cons.philos. 3 metr. 1,5 f.). Der Eingang Vs. 1 istwohl zufällig gleich mit Carm. de Macchab.l.

3 ) Solche schon Liter. Zentralbl. 1878Sp. 883.

4 ) Ecbasis captivi (in Quellen und For-schungen z. Sprach- und Kulturgesch. d. germ.

Völker Bd. 8) S. 11.67.

°) Leipz. SB. (1890) 42,115-119.113 ff.

6 ) Voigt a.a.O. S. 912.

') Zarncke a. a. O. S. 125 f. Dort wirdS. 126 mit Recht geltend gemacht, daß sichVs. 69 durchaus nicht auf die Geburtszeit desDichters zu beziehen braucht.

8 ) Voigt S.23.

9 ) Zarncke S.122f.